Nutrias Hass in den Bonner Rheinauen

Tierschützer des Tiernotruf e. V. fanden am Anfang der Woche erschossene Nutria-Babys in der Bonner Rheinaue. Das Röntgenbild der getöteten Tiere ergab, dass diese von mehreren Luftgewehr-Projektilen getroffen wurden. In der gesamten Umgebung finden sich Aufkleber, mit Texten wie „Ist der Himmel abends rot, sind morgens alle Nutrias tot. HAHAHAHA!“, welche mutmaßlich ebenfalls von den tierhassenden Menschen stammen.

An den Gewässern des Rheinauenparks Bonn lebten laut Zahlen aus dem letzten Jahr rund 40–60 Nutrias. Die possierlichen Tiere stammen ursprünglich aus Südamerika (wo sie lokal bereits ausgerottet wurden) und wurden in Mitteleuropa zur Pelzgewinnung gezüchtet und gehalten. Inzwischen sind sie fester Bestandteil des Rheinauenparks und auch in vielen anderen Stellen in NRW zu finden. Bereits im Jahr 2022 erging ein Beschluss der Stadtverwaltung Bonn, dass diese mit Lebendfallen gefangen, abtransportiert und von einem Jagdausübungsberechtigten erschossen werden.

Begründet wird die geplante Maßnahme zur Populationsdezimierung mit einer EU-Verordnung zu invasiven Arten. Die Verordnung schreibt aber nicht zwingend eine Tötung vor, sondern verweist auf andere „Managementmaßnahmen“, wie z. B. die Sterilisation. Den Einsatz von Lebendfallen lehnen wir vollständig ab, da diese grausame Qualen für die Tiere bedeuten. Sie müssen dort viele Stunden verharren und versuchen dabei sich zu befreien. Dabei erleiden sie oftmals schwerste Verletzungen, z. B. ruinieren sie ihr Gebiss oder trennen sich dabei Gliedmaßen in größter Panik ab. Dies ist hinreichend bekannt, belegt und unumstritten. Der Todeskampf dauert oft 12 Stunden. Und dies bedeutet für uns, dass diese Fallen den Tatbestand der Tierquälerei eindeutig erfüllen. Die Tiere, die den Todeskampf in den Fallen überleben, werden nach ihrem Auffinden getötet.

Welchen Umgang mit invasiven Arten?

Aus Tierschutzsicht stellen invasive Arten eine komplexe Herausforderung dar. Auf der einen Seite ist es wichtig, das Wohlergehen und den Schutz einheimischer Tierarten zu gewährleisten, da im Einzelfall invasive Arten erhebliche negative Auswirkungen in Bezug auf eine Verdrängung und eine Reduzierung der Artenvielfalt haben, was in der Folge zu einem Verlust an Biodiversität führt. Auf der anderen Seite verdienen auch die invasiven Arten natürlich gerade unter Tierschutzgesichtspunkten eine besondere Berücksichtigung. Auch wenn diese Arten vergleichsweise neu in Regionen sind, haben auch sie das Recht auf ein artgerechtes und leidfreies Leben. Das Eindringen in neue Gebiete geschieht zudem häufig unfreiwillig durch menschliche Aktivitäten.

Die Geschichte der Einwanderung einer Art in ein neues Gebiet begleitet die Menschheit dabei schon über viele Jahrhunderte. So kamen Arten über die Schifffahrt z. B. durch das Anheften an Schiffsrümpfe oder in Ballasttanks in neue Gewässer, in der Landwirtschaft werden exotische Tiere und Pflanzen eingeführt und entkommen oder verwildern und auch durch den Tierhandel, in dem exotische Tiere, die zunächst als Haustiere gehalten werden, freigelassen werden oder entkommen und sich in der Wildnis etablieren. Für die Situation in Europa setzen wir uns ganz klar dafür ein, dass in allen Ländern die Jagd auf invasive Tierarten verboten wird und stattdessen tierschutzkonforme Möglichkeiten der Populationskontrolle einzusetzen sind.

(se)

Schliefenanlage erneut Thema im Dortmunder Ausschuss

Hier der Redebeitrag von Sebastian Everding, als sachkundiger Bürger für die Fraktion Die Linke+ im Ausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden (ABöOAB) am 31. Oktober in Dortmund:

Vielen Dank Herr Vorsitzender,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir bedanken uns zunächst für die teilweise Beantwortung der Fragen und entschuldigen uns zeitgleich bei den anderen Fraktionen, das dies schon wieder auf der Tagesordnung steht. Fakt ist jedoch, dass auf Dortmunder Stadtgebiet fühlende Wesen für eine Hunde-Ausbildung missbraucht werden, damit sich Dackelzüchterinnen und Züchter einen entsprechen Vermerk in ihr Zuchtbuch machen können. Zu so einer Tierquälerei werden wir nicht schweigen!

Da heute auch ein Vertreter des Veterinäramtes vor Ort ist möchten wir an dieser Stelle in aller Form die rechtliche Auffassung des Veterinäramtes zur Nicht-Zuständigkeit für die Schliefenanlage auf Dortmunder Stadtgebiet in Frage stellen und um die exakte Rechtsgrundlage bitten. Nach der Zuständigkeitsverordnung Tierschutz NRW sind, außer für Tierversuche, für alle Angelegenheiten des Tierschutzgesetzes die Kreisordnungsbehörden zuständig. Aktuell laufen Gerichtsverfahren um die Schliefenanlage in Lemgo, bei dem Vorgehen gegen die dortigen Missstände ist das Veterinäramt Lemgo federführend mit dabei – Ostwestfalen ist ein Stück weit entfernt von Dortmund, aber liegt meines Wissens nach noch in NRW. Gelten für das Dortmunder Veterinäramt andere Gesetze?

Weiteres Beispiel: Die Wildvogelstation von Ewald Ferlemann in Dorstfeld – Ebenfalls keine kommerzielle Nutztierhaltung – Dort sind Sie zuständig! Ist ein Storch oder eine Möwe weniger Wildtier als ein Fuchs in ihrer Definition?

Ansonsten schreiben sie von drei weibliche adulte Tiere, die als Welpen nach dem Tod der Mutter aufgenommen wurden. Diese ist wohl versehentlich vor das Gewehr gelaufen. Frage 1: Wo ist der vierte Fuchs? In der letzten Anfrage wurden vier Tiere erwähnt. Frage 2: Augenscheinlich handelt es sich dabei nicht um Zuchttiere, wie beurteilen Sie dies vor dem Hintergrund, dass in den Tierschutzmindestanforderungen für das Betreiben von Schliefenanlagen, der Einsatz von Wildfängen als nicht akzeptabel bezeichnet wird?

Und noch zwei wichtige Fragen: Wie können Sie tatsächlich beurteilen, dass keine Bewegungsstereotypien vorliegen, wenn sie die Anlage nur wenige Male mit Vorankündigung aus freiwilliger Basis beurteilt haben?

Wie können Sie den Einsatz eines Trenngitters aus Metall zulassen, wenn in allen Vorgaben stets davon gesprochen wird das diese eben nicht aus Metall bestehen dürfen, da die Gefahr des Absplitterns der Zähne besteht, wenn sich der Fuchs oder auch der Hund ins Gitter verbeißt.

Abschließend bitte um die Darlegung weiterer Argumente weswegen es sich in den Augen des Veterinäramtes um eine intensive Tierhaltung handelt- Nur zum Vergleich: So eine Haltungsform stellt beispielsweise der Dortmunder Zoo dar, wo fachlich ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger (nicht nur Menschen deren einzige Qualifikation ein Jagdschein) z.B. individuell auf einzelne Tierarten zugeschnittene Beschäftigungskonzepte vorhalten. Sie nennen ausschließlich Impfungen und eine mögliche Abtrennung untereinander. In unseren Augen handelt es sich hier nicht um eine intensive Haltung, weswegen höhere Auflagen an Gehege-größen gelten.

Noch ein allerletztes Update zur letzten Sitzung: selbstverständlich sind wir dem Tipp von Kollegin Heidkamp gefolgt…unsere Fraktionsanfrage nach einer Besichtigung wurde jedoch binnen 24 Stunden abgelehnt.

 

Die Beantwortung der Rückfragen soll schriftlich bis zur nächsten Ausschuss-Sitzung erfolgen. In dieser soll sich auch die ehrenamtliche, städtische Tierschutzbeauftragte Fr. Dr. Kalka zu dieser Thematik äußern.

Hund&Pferd – Mein Kommentar zur Qualzuchtshow in Dortmund

Der Rassehundewettbewerb Mops am Samstag Halle 6, Ring 8 um 13:16 Uhr und die Sieger bei den Französischen Bulldoggen bereits um 10:00 Uhr in Halle 8, Ring 32. So lesen sich nur zwei Beispiele im Veranstaltungs-Zeitplan. Am kommenden Wochenende gastiert wieder die „Hund&Pferd“ in den Dortmunder Westfalenhallen. Dem Publikum werden dabei wieder einmal in einer Halle die Bewertungsringe für Qualzuchten mit Atem- oder Augenproblemen geboten, um dann über den  „Löseplatz“ mit Plastikrasen zu den Pferdeshows in „Gala-Qualität“ zu gelangen.

Zur Rückkehr der „familienfreundlichen Messe” nach drei Jahren Pause findet der NRW-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Europawahl Sebastian Everding mehr als einen grundsätzlichen Kritikpunkt: „Durch die Veranstaltenden werden die rund 26 Prozent mehr Meldungen von Rassehunden zu den Wettbewerben freudig kommuniziert, sowie die extra aus Australien und den USA anreisenden Tiere – Hier treffen also Tierleid und unnötiger C02-Ausstoß direkt zusammen!“ so Everding und ergänzt: „Positiv hervorzuheben sind die umfangreichen Hinweise zur Tierschutzverordnung sowie die Augenuntersuchungen zur Messe, diese stellen für mich aber genauso ein Feigenblatt dar wie der Mischlingswettbewerb, denn eine jährliche klinische Untersuchung hat bislang noch keine der eklatanten Probleme der Hundezucht gelöst und wird es auch nicht!”.

„Aber auch beim Showprogramm stellen sich wohl allen Menschen die Nackenhaare auf, die sich für Tierrechte und gegen die Ausbeutung in der Unterhaltungsindustrie einsetzen: So ziehen Shire-Horses in der Gladiatoren-Show Kampfwagen durch die Arena in Halle 3 – Hier schließt sich nahtlos der Kreis zu den Pferde-Feuershows im Jahr 2019“ so Everding abschließend.

Es bleibt die Frage: Müssen immer spektakulärere und riskantere Shows mit Tieren als Akteuren für den Nervenkitzel der „Tierfreunde“ in der Halle stattfinden?

Tag der schwarzen Katze

Katzenhalterinnen und Katzenhalter sollten sich den heutigen Tag unbedingt im Kalender notieren, zumindest wenn es nach unseren britischen Nachbarn geht, die dieses Datum zu ihrem nationalen Tag der schwarzen Katze (engl. National Black Cat Day) erklärt haben.

So geht dieser Aktionstag auf eine Initiative der britischen Tierschutzorganisation Cats Protection aus dem Jahre 2010 zurück, die hiermit auf die niedrigen Adoptionsquoten von schwarzen Katzen aus Tierheimen aufmerksam machen möchte. Nur am Rande sei hier erwähnt, dass auch schwarze Hunde es, im Gegensatz zu Vierbeinern mit hellerer Fellfarbe, ähnlich schwer haben ein neues Zuhause zu finden.  In US-amerikanischen Tierheimen gibt es mit dem „Black Dog Syndrome“ sogar einen festen Begriff für dieses Phänomen. Das Negativimage der schwarzen Katze hat in Europa eine lange kulturhistorische Tradition, denn nach wie vor sehen viele Menschen in den Tieren ein schlechtes Zeichen bzw. einen Unglücksbringer. In Filmen und Büchern wird zudem kaum eine Hexe ohne die Gesellschaft einer schwarzen Katze gezeigt.

In einer aktuellen Umfrage, bestätigten fast 50 % der dem deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime, dass schwarze Hunde und Katzen schwerer vermittelbar sind, als andersfarbige Tiere. Die genannten Gründe für die schwierigere Vermittlung sind so unterschiedlich wie unsinnig: Von vielen Menschen wird ein schwarzes Fell häufig als bedrohlich empfunden, weswegen es gerade größere schwarze Hunde bei der Vermittlung besonders schwer haben. Manche Menschen vermuten irrtümlich, dass dunkle Tiere aggressiver seien als Tiere mit einem andersfarbigen Fell. Dabei sagt die Farbe des Fells natürlich überhaupt nichts über den Charakter des Tieres aus. Auch die Ästhetik spielt tatsächlich für manche Menschen eine Rolle, da sie für viele als weniger fotogen gelten. Mehreren internationalen Medienberichten zufolge schrecken einige Menschen in Zeiten von Instagram und Co. sogar vor schwarzen Tieren zurück, weil Selfies mit ihnen schwieriger zu fotografieren sind.

Hinweis zu unseren Foto-Modells: Insgesamt vier schwarze Katzenkinder suchen aktuell über den Dortmunder Katzenschutzverein e.V. (Link) ein neues Zuhause.

(se)

Salz vor oder nach dem Kochen ins Nudelwasser?

Nudeln stellen aufgrund des niedrigen „Schwierigkeitsgrades“ seit vielen Jahren einen essenziellen Bestandteil von Single- und Familienküchen dar. Viele Kochbücher widersprechen sich aber bei der Frage, ob Salz schon in das kalte oder das schon kochende Nudelwasser gegeben werden sollte. Kann man hier vielleicht sogar Energiesparen und somit das Klima bei Spaghetti, Fussili und Tagliatelle schützen?

Forschende des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen beschäftigten sich wissenschaftlich mit der Frage, wann genau das Salz dem Wasser zuzugeben werden sollte. Bei der Beantwortung dieser Fragen verwiesen sie klar auf die physikalischen Gesetze: Grundsätzlich ist es so, dass wenn Wasser zum Kochen bringen soll, ein Teil der Flüssigkeit in Wasserdampf umgewandelt werden muss. Hierfür müssen möglichst viele Wassermoleküle aus ihrem Verbund mit anderen Molekülen durch Zuführung von Energie herausgelöst werden.

Wird das Salz vor der Erwärmung ins Nudelwasser gegeben, so stellen sich die Salzteilchen den Wassermolekülen zusätzlich in den Weg. Dies bedeutet in der Folge, dass es den Wassermolekülen erschwert wird, sich aus dem Verbund zu lösen. Gut gesalzenes Nudelwasser kocht dann erst etwa bei 101° Grad Celsius.

Dies wäre jedoch eine zu einfache Antwort auf die Frage, denn eine weitere Schlussfolgerung war, dass es ganz egal ist, wann das Salz hinzugefügt wird! Gibt man das Salz erst dann hinzu, wenn das Wasser bereits kocht, muss die dadurch entstehende Lösung ebenfalls auch um einen zusätzlichen Grad erhitzt werden, um weiter zu kochen.

Die Wärmeenergie, die man über den Küchenherd benötigt, ist also immer gleich, unabhängig davon, auf welchem Weg bzw. zu welchem Zeitpunkt die Salzgabe geschieht. Küchenprofis ergänzen an dieser Stelle noch den Hinweis, dass Nudeln durch Salz auch nicht viel schneller bissfest werden, jedoch etwas besser schmecken, wenn sie in gesalzenem Wasser gekocht wurden.

 

Energiespar-Tipp: Wenn das Wasser dann erstmal kocht, musst du den Herd übrigens nicht die ganze Zeit anlassen. Das ganze nennt sich dann Nudeln „passiv“ kochen und stellt eine weitere Möglichkeit, um etwas Energie zu sparen.

(se)

Igelverein sucht neue Pflegestellen in Dortmund

Negativer Rekord: Bereits 200 Igel in dieser Saison

An einem kühlen Herbst-Nachmittag steht in der Igel-Beratungsstelle am Tierschutz-Zentrum in Dorstfeld ein Jubiläum an, doch zu feiern ist den ehrenamtlichen Aktiven der Arbeitsgruppe Igelschutz Dortmund e.V. dabei nicht: der 200. Igel der erst seit dem 1. September laufenden Saison wird von aufmerksamen Menschen zur Begutachtung gebracht.

Pflege- und Päppelstellen dringend gesucht!

Zwischen September und Januar öffnet die Beratungsstelle des Vereins jeweils montags, mittwochs und freitags von 17:30 bis 19:30 Uhr und ist dabei Anlaufstelle für Menschen nicht nur aus dem Dortmunder Stadtgebiet, sondern auch aus umliegenden Städten wie Witten, Bochum und Castrop-Rauxel. In Kartons und Transportboxen sitzen dann entweder verletzte Igel, ausgewachsene, aber unterernährte Tiere sowie ganz häufig Babys.

Haben Finderinnen und Finder nicht die Zeit oder räumliche Möglichkeiten, die aufgefundenen Tiere nach der medizinischen Erstbetreuung weiter zu versorgen, werden diese auf Pflegestellen des Vereins verteilt. Diese derzeit maximal 30 Stellen sind aber bereits Ende Oktober am Kapazitätslimit angekommen.

Was muss eine Igel-Pflegestelle erfüllen?

Der zeitliche Bedarf an eine Pflegestelle richtet sich in erster Linie nach dem Igel: so erfordert eine Päppelstelle für einen untergewichtigen Igel regelmäßige Fütterungsintervalle, während andere Tiere nur einmal täglich eine Schale mit Futter sowie eine Reinigung des Geheges benötigen.

Des Weiteren werden auch betreute Stellen für die Überwinterung gesucht, diese können sowohl Gartenlauben, Terrassen oder Kellerräume mit Fernstern sein. Weitere Fragen von interessierten Igelfreundinnen und Igelfreunden beantwortet der Verein gerne telefonisch, persönlich oder per Mail.

Öffnungszeiten Igelstation/Beratungsstelle:

Zwischen 1. September 2023 bis 12. Januar immer montags, mittwochs und freitags von 17:30 bis 19:30 Uhr geöffnet. Adresse: Hallerey 39, Dortmund-Dorstfeld (Tierschutzzentrum)

Kontaktdaten:
Telefon Igelstation: 0231 - 175555
Homepage: Arbeitsgruppe Igelschutz Dortmund e.V.

Bundesweite Igel-Hilfe: Pro Igel e.V.

 

(se)

Deutschland stimmt NICHT gegen Glyphosat!

Fassen wir zunächst einmal die Fakten zusammen:

  • Es handelt sich dabei um das meistverkaufte Pestizid weltweit und kommt auf rund 40 % der deutschen Äcker zum Einsatz
  • Laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO wird es seit 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.
  • Über die Gefahr für Menschen hinaus bedroht es massiv die Artenvielfalt, da es über die Pflanzen auch Insekten und Vögel tötet

Aufgrund der damit verbundenen Gefahren einigten sich die Ampelparteien im Koalitionsvertrag darauf, Glyphosat bis 2023 vom Markt zu nehmen. Bei einer EU-Abstimmung in der letzten Woche zur Weiter-Zulassung für die nächsten zehn Jahre hat die Bundesregierung jedoch nicht klar dagegen gestimmt, sondern sich enthalten. Dies führte in weiterer Folge dazu, dass sich weder für noch gegen die weitere Zulassung eine qualifizierte Mehrheit gefunden hat. Die Zulassung landet nun in einem europäischen Berufungsausschuss. Sollte die Zulassung bzw. die Nicht-Zulassung dort aber erneut keine Mehrheit finden, so kann die EU-Kommission die Zulassung eigenständig verlängern. Sollte der weltweit meistverwendeten Pestizid-Wirkstoff in der EU dadurch weiterhin erlaubt bleiben, so könnte Deutschland den Einsatz hier ausschließlich noch etwas begrenzen, aber nicht mehr vollständig verhindern.

Sebastian Everding, unser Spitzenkandidat für die Europawahl im nächsten Jahr, richtet hier einen klaren Appell an den Bundesumweltminister:

„Herr Özdemir! Sie haben sich bereits mehrfach klar gegen eine neue Zulassung ausgesprochen. Bereits im November steht die endgültige Abstimmung im EU-Berufungsausschuss an. Bestehen Sie innerhalb der Bundesregierung auf eine Einhaltung des Koalitionsvertrages und sorgen somit für ein klares „Nein!” unseres Landes, um dieses Gift endlich europaweit von den Äckern zu bekommen! Für die Menschen, Umwelt und die Tiere!”

Einladung zur Lesung in Dortmund am 20. Oktober

Der Siegener Autor Ulrich Bender liefert mit seinem neuen Buch „Brokkoli ist eine warme Farbe“ kurze Geschichten für vegan lebende Menschen, Gartenliebhaber:innen, Tierrechtler:innen und eigentlich für alle, die sich für Pflanzen und Farben interessieren. Zuvor veröffentlichte er bereits mit seinem Buch „Schwein gehabt“  humorvolle Geschichten vom täglichen Vegansein.

Wir treffen uns dafür am Freitag, dem 20. Oktober ab 18 Uhr im gemütlichen Separee von „Meeting“ Café-Bar & Eventlocation in der Dortmunder Innenstadt. Vor Ort besteht die Möglichkeit, seine Werke käuflich zu erwerben. Hunde sind im Lokal erlaubt.

Die Lokalität:
Meeting, die Café-Bar
Hoher Wall 30, 44137 Dortmund

Anfahrt Auto:
In direkter Umgebung am Wall befinden sich zahlreiche Parkplätze.
Das nächstgelegene Parkhaus befindet sich in der Thier-Galerie.

Anfahrt ÖPNV:
Das Lokal befindet sich fußläufig in der Nähe mehrere Haltestellen, z. B. Stadtbahn U43/U44 Haltestelle Westentor
Der Dortmunder Hbf liegt ca. 700 m entfernt.

Links:
Homepage Ulrich Bender
Meeting Café Bar

Mahnwache in Mönchengladbach

Mitglieder unserer Regionalgruppe Mönchengladbach nahmen am vergangenen Wochenende an einer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) organisierten Mahnwache für die verstorbenen Radfahrerin in Mönchengladbach-Rheydt teil. Die 71-Jährige wurde bereits am 26. September am Rand des Marktplatzes in der Rheydter Innenstadt von einem Lkw überrollt und verstarb nach einem Transport mit dem Rettungshubschrauber wenig später im Krankenhaus. Am Unfallort stellte der ADFC ein sogenanntes Geisterrad auf. Das weiß lackierte Fahrrad soll dabei dauerhaft an die verstorbene Radfahrerin erinnern.

 

Vor dem Hintergrund dieses und vieler weiterer Unfälle mit Toten und schwer verletzten Radfahrer:innen fordern wir in den Städten und Gemeinden in NRW einen viel stärkeren Fokus auf die Sicherheit von Radwegen:

  • Es ist ein durchgehendes Radwege-Netz zu schaffen, was bedeutet, dass es keine „Radweg-Ende“- oder „Radfahrer absteigen“-Schilder mehr geben darf.
  • Es muss durchgängig eine ausreichende Breite der Radwege bestehen, dies beinhaltet die sicheren seitlichen Abstände (zum fließenden Verkehr, Mauern, Lampen, Verkehrsschildern usw.) und abgesenkte Bordsteine.
  • Schlaglöcher und andere Hindernisse wie Mülltonnen, Werbeschilder und ähnliches darf es auf Radwegen nicht mehr geben.
  • Die Infrastruktur der Radwege muss durchgängig selbsterklärend und intuitiv verständlich sein, um unerfahrene Radfahrenden, Kindern und Ortsfremden eine gute Orientierung zu geben.
  • Auf den Hauptradrouten ist unbedingt eine Trennung der Verkehrsarten vorzusehen.
  • Gemischte Führungen von Rad- und Fußverkehr sind ausschließlich bei sehr geringem Verkehrsaufkommen denkbar.
  • Freie Rechtsabbieger oder Bypässe an Kreisverkehren über eine Radwege- oder Fußwegeverbindung hinweg oder Lichtsignalanlagen mit bedingtem Grün (Gelbblinker) sind nicht mit einer sicheren Rad-Infrastruktur vereinbar.

(se)

Kleine Parteien als demokratische Alternative

Der Mythos der verlorenen Stimme

Blickt man in der Wahlkabine auf den Stimmzettel, so findet man sowohl bei einer Kommunalwahl, der Bundestagswahl, den bevorstehenden Landtagswahlen in Hessen & Bayern, als auch bei der Europawahl im Juni 2024 neben den bekannten Großen auch stets eine Vielzahl an kleinen Parteien. Diese finden sich jedoch in den Wahlumfragen der Medien später meist nur unter dem Begriff „Sonstige“ wieder.

Einzelpersonen des öffentlichen Lebens, aber auch Institutionen und Vereine argumentieren jedoch vor jeder Wahl aufs Neue, dass diese Stimmen verschenkt wären und im schlimmsten Fall sogar noch Parteien wie der AfD Vorschub leisten würden, weil dadurch in den Parlamenten vertretene andere Parteien geschwächt würden. Dabei bringen Kleinparteien, wie die unsere, oftmals frische und unverbrauchte Sichtweisen und Zukunftsideen ein und setzen deutliche Zeichen in der Parteienlandschaft gegen Hass und Hetze und für Respekt und Mitgefühl! Lesen Sie hier ein Plädoyer für die Underdogs der politischen Landschaft und warum diese einen Gewinn für die Demokratie darstellen.

Argument 1: Finanzielle Unterstützung

Parteien nehmen erst dann am System der staatlichen Teilfinanzierung teil, wenn sie bei der letzten Bundestags- oder Europawahl mindestens 0,5 % bzw. bei der letzten Landtagswahl mindestens 1,0 % der gültigen Stimmen erhalten haben. Ist dieses Kriterium erfüllt, erhalten sie jährlich bis zu 0,86 € für jede auf ihrer jeweiligen Liste abgegebene Stimme (Zweitstimme). Diese Gelder nutzen Kleinparteien vor allem, um Ihre öffentliche Wahrnehmung zu steigern und somit mit Ihren Zielen und Visionen für Wähler:innen sichtbarer zu werden, denn gerade Wahlkämpfe kosten viel Geld.

Argument 2: Ideen „Übernahme“ durch große Parteien

Auch wenn es kleine Parteien oft nicht schaffen in den Landtag oder gar in den Deutschen Bundestag einzuziehen, so werden ihre Ideen und Vorschläge gerne mal von den großen Parteien „übernommen“. Gerade wenn Parteien oder Einzelkandidierende zu einem Thema oder mit einer Position einen besonders hohen Zuspruch bei den Wähler:innen erhalten, bleibt dies in den Schaltzentralen der Macht nicht unbemerkt.

Argument 3: Fokussierung auf neue Themen

So schaffen es selbst vergleichsweise geringe Wahlerfolge kleinerer Parteien, die Aufmerksamkeit auf Themen zu lenken, die bislang eher im Windschatten der Regierungspolitik lagen: Exemplarisch hätte es den Fokus und die Verbesserungen hinsichtlich der Thematiken Tiertransporte, Tierversuche oder Kampf gegen die Klimakrise höchstwahrscheinlich nicht ohne kontinuierlichen Druck seitens der Tierschutzpartei und weiteren Kräften gegeben.

Argument 4: Aktivierung von Nichtwähler:innen

Politikverdrossenheit ist nicht erst seit diversen Spenden- oder Lobbyskandalen ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft und das Schimpfen auf „die da oben“ an der Tagesordnung, sodass viele Wähler:innen erst gar nicht zur Wahl gehen. Gerade Kleinparteien schaffen dank differenzierter Themen und neuer Perspektiven oft erstmals wieder in die Lebenswirklichkeit von Teilen der Bevölkerung einzudringen, die von vielen etablierten Teilen der Politik schon lange abgeschrieben wurden.

Argument 5: Hohe Fach- und Themenkompetenz

Viele kleinere Parteien und Gruppierungen haben starke thematische Schwerpunkte und die ehrenamtlichen Politiker:innen setzen sich mit großer Leidenschaft für ein oder mehrere „Herzensthemen“ ein. Oftmals vereinen diese durch die aktiven Mitglieder und Unterstützer:innen eine enorme thematische Fachkompetenz. Oder würden Sie beispielsweise unserer Partei keine fundierte Expertise im Tierschutz bzw. für den Schutz aller Lebewesen, in Sachen Klimakrise oder dem Einsatz für sozialer Gerechtigkeit zutrauen? In vielen gleichartigen Parteien steht ebenfalls der Idealismus für das Sachthema oftmals an erster Stelle. Meist gehen diese dann mit Maximalforderungen zu einem bestimmten Thema in den Wahlkampf, aber tun das die Gewerkschaften oder Autoverkäufer:innen nicht ebenso?

Wenn es so viele gute Argumente für kleine Parteien gibt, warum besteht dann eine 5-Prozent-Hürde bei vielen Wahlen?

In die 16 Landtage oder gar in den Bundestag schafft es aktuell so gut wie keine der Kleinparteien, denn das deutsche Wahlrecht hat eine Art Sperre eingebaut: Mindestens 5 % der gültigen Stimmen sind so etwas wie der „Türsteher“ vor vielen Parlamenten. Diesen zu überwinden fällt vielen politischen Gruppierungen äußerst schwer, denn oftmals fehlt der personelle Hintergrund flächendeckend Kandidierende aufzustellen und zusätzlich in jedem Bundesland bis zu 2.000 Unterstützungs-Unterschriften zusammenzubekommen, um überhaupt erst auf dem Stimmzettel vertreten zu sein.

Anders als bei Wahlen innerhalb Deutschlands, wie Landtags- oder Bundestagswahlen, gibt es für deutsche Parteien bei europäischen Wahlen noch keine Sperrklausel – die könnte sich jedoch noch durch den aktuell laufenden rechtlichen Prozess bezüglich der Europawahl 2029 ändern. Indem dabei ebenfalls eine prozentuale Eintrittskarte eingeführt werden soll, wollen größere Parteien eine weitere Zersplitterung des Parlaments verhindern. Diese Idee, wie die der Fünf-Prozent-Hürde, geht dabei auf die Angst zurück, dass zu viele Klein- und Kleinstparteien ein Parlament quasi unregierbar machen würden. Jedoch scheint dies einerseits bloß ein aus Angst vor Machtverlust motivierter Akt der bereits Machthabenden zu sein und andererseits erscheint das stützende Argument einer unmöglichen Arbeitskultur durch angeblich übertriebene Ausdifferenzierung ins Leere zu schießen. Klein- und Kleinstparteien sind oft Anlaufstellen und Quellen für noch wenig etablierte oder leise Meinungen sowie Ideen, weswegen eine Exklusion dieser aus dem politischen Geschehen durch eine gewollte Hürde einem demokratischen Ideal entgegenstehen würde. Zudem bestehen die im Europaparlament zu findenden Fraktionen ohnehin aus bemerkenswert vielen Parteien (in der Legislaturperiode 2019-2024 gab es mehr als 180), wodurch eine Verringerung seitens Deutschland einen kaum wahrnehmbaren Effekt zeigen und eher eine bloße Auslebung einer antidemokratischen, Macht forcierenden Position darstellen würde.

Argument 6: National ungleich international

Es gibt einen relevanten Unterschied zwischen Politik auf nationaler und internationaler Ebene. Kleinparteien können, obwohl sie kaum im politischen Kosmos Deutschland sichtbar sind, dennoch auf europäischer Ebene wirksam sein. Aufgrund dessen ist es möglich, bei verschiedenen Rahmenbedingungen divers zu wählen. Kommunal-, Landtags-, Bundestags- oder Europaparlamentswahlen sind in bestimmten Hinsichten eigene Spielfelder, wodurch es nicht zwingend so sein muss, dass man bei jenen überall das Gleiche ankreuzt. Selbstverständlich ist die Stimmabgabe für einen kleinen Akteur wie die Tierschutzpartei auf allen Ebenen hilfreich und wichtig. Doch auch wenn etwa im Landesbereich gewohnheitsmäßig die eine Großpartei gewählt wird, da dort beispielsweise Kleinparteien meist unsichtbar bleiben und fälschlicherweise den Anschein der Irrelevanz erzeugen, ist es sinnvoll auf europäischer Ebene gerade dort das Kreuz zu setzen. Die Präsenz und Wirkungsmacht auf der einen Stufe bestimmt nicht die auf einer anderen.

Das Abschlussplädoyer

Selbstverständlich werden diese Argumente nicht alle überzeugen, ihr „Kreuzchen“ jenseits einer etablierten Partei zu setzen. Die Stimmabgabe für eine der Großen sollte jedoch auch nicht als Begründung für den Glauben daran dienen, dass es die Wunschpartei ohnehin nicht schaffen wird, in das jeweilige Parlament einzuziehen. Kleinparteien oder auch unabhängige Direktkandidaten bringen viele neue Ideen und sogar einen Idealismus in die deutsche Demokratie ein, der vielen Parteien über die Jahrzehnte leider gänzlich abhandengekommen ist. Wer den „Kleinen“ keine Chance gibt, sollte das Argument, dass sich politisch ja sowieso nichts ändern würde, besser in der Schublade lassen.

(se/tk)