Erfolgreicher Haushaltsantrag für das Tierschutzzentrum Dortmund

Erneuter Erfolg für den Tierschutz durch den Haushaltsantrag unserer gemeinsamen Fraktion: Gleich zwei Anträge konnten noch in diesem Jahr mit breiter Mehrheit für das Tierheim Dortmund beschlossen werden!

Zum einen werden nun die Tierarztleistungen nicht mehr fremdvergeben, sondern durch eigene Tierärzte vor Ort erbracht. Dazu wird auch die Tierarztpraxis im Tierschutzzentrum umfassend modernisiert und besser ausgestattet werden. Diesem Antrag ist eine entsprechende Anfrage vorausgegangen, mit der herausgefunden werden konnte, dass die tiermedizinischen Kosten reduziert werden können, wenn die Behandlungen im Tierheim erfolgen. Im Rahmen dieses Antrages kann die neue tiermedizinische Station auch mit Inkubatoren für die ebenfalls dort ansässige Arbeitsgruppe Igelschutz Dortmund e. V. ausgestattet werden.

Zum anderen kann jetzt umgebaut werden, denn bei knapp 30 Mitarbeiter:innen gibt es dort nämlich keine geschlechtergetrennten Umkleiden, so dass sich die weiblichen Mitarbeiter:innen teilweise in irgendwelchen Abstellkammern umziehen mussten, was wirklich keine tragbaren Zustände dort waren.

P.S. Die AfD hat gegen den Praxisraumumbau und das eigene tiermedizinische Personal gestimmt, bei der baulichen Erweiterung (Umkleide, Sanitärbereich) haben sie sich enthalten.

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Der Antragstext in kompletter Form:

 

  1. a) Fest-Anstellung von zwei Veterinärmediziner*innen (m/w/d) in Teilzeit sowie
    b) Umbau eines Seminarraums im TSZ in medizinisch ausgestattete Praxisräume inklusive
    c) 2 Tier-Inkubatoren (Brut-Wärmekästen) für die im TSV ansässige Arbeitsgruppe Igelschutz e.V.

Das Tierschutzzentrum Dortmund wird durch die Anstellung von zwei eigenen Veterinärmediziner*innen (beide in Teilzeit) und die Anschaffung erforderlicher Technik in die Lage versetzt, für Routine-Aufgaben auf externe tierärztliche Hilfe zu verzichten. Damit wird die tiermedizinische Versorgungsqualität im Tierheim erhöht und langfristig werden die Behandlungskosten um über 32.000 Euro jährlich gesenkt.

Kosten:

  1. Eigene Tierärzt*innen – Kosten: 143.556 Euro jährlich (statt wie bislang 176.000 Euro jährlich für externe Betreuung)
  2. Einrichtung einer Tierarzt-Praxis vor Ort, Kosten: Einmalig 180.000
    Euro inklusive

2 Tier-Inkubatoren (Brut-Wärmekästen) für die im TSV ansässige Arbeitsgruppe Igelschutz e.V. Kosten: einmalig 3.006 E

 

(se)

Tag der schwarzen Katze

Katzenhalterinnen und Katzenhalter sollten sich den heutigen Tag unbedingt im Kalender notieren, zumindest wenn es nach unseren britischen Nachbarn geht, die dieses Datum zu ihrem nationalen Tag der schwarzen Katze (engl. National Black Cat Day) erklärt haben.

So geht dieser Aktionstag auf eine Initiative der britischen Tierschutzorganisation Cats Protection aus dem Jahre 2010 zurück, die hiermit auf die niedrigen Adoptionsquoten von schwarzen Katzen aus Tierheimen aufmerksam machen möchte. Nur am Rande sei hier erwähnt, dass auch schwarze Hunde es, im Gegensatz zu Vierbeinern mit hellerer Fellfarbe, ähnlich schwer haben ein neues Zuhause zu finden.  In US-amerikanischen Tierheimen gibt es mit dem „Black Dog Syndrome“ sogar einen festen Begriff für dieses Phänomen. Das Negativimage der schwarzen Katze hat in Europa eine lange kulturhistorische Tradition, denn nach wie vor sehen viele Menschen in den Tieren ein schlechtes Zeichen bzw. einen Unglücksbringer. In Filmen und Büchern wird zudem kaum eine Hexe ohne die Gesellschaft einer schwarzen Katze gezeigt.

In einer aktuellen Umfrage, bestätigten fast 50 % der dem deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime, dass schwarze Hunde und Katzen schwerer vermittelbar sind, als andersfarbige Tiere. Die genannten Gründe für die schwierigere Vermittlung sind so unterschiedlich wie unsinnig: Von vielen Menschen wird ein schwarzes Fell häufig als bedrohlich empfunden, weswegen es gerade größere schwarze Hunde bei der Vermittlung besonders schwer haben. Manche Menschen vermuten irrtümlich, dass dunkle Tiere aggressiver seien als Tiere mit einem andersfarbigen Fell. Dabei sagt die Farbe des Fells natürlich überhaupt nichts über den Charakter des Tieres aus. Auch die Ästhetik spielt tatsächlich für manche Menschen eine Rolle, da sie für viele als weniger fotogen gelten. Mehreren internationalen Medienberichten zufolge schrecken einige Menschen in Zeiten von Instagram und Co. sogar vor schwarzen Tieren zurück, weil Selfies mit ihnen schwieriger zu fotografieren sind.

Hinweis zu unseren Foto-Modells: Insgesamt vier schwarze Katzenkinder suchen aktuell über den Dortmunder Katzenschutzverein e.V. (Link) ein neues Zuhause.

(se)

Verletzte Igel im Minutentakt

Ein später Montagnachmittag, im Tierschutzzentrum in Dortmund-Dorstfeld öffnen die Räume der Igel-Beratungsstelle, vor der mehrere Personen bereits mit ihren stacheligen Fundtieren auf kompetente Hilfe warten. Um dem Ansturm gerecht zu werden, haben die ehrenamtlichen Aktiven der Arbeitsgruppe Igelschutz gleich zwei Plätze für die Erstuntersuchung aufgebaut. Eins wird schnell klar: Die meisten Igel kommen mit schwersten Verletzungen, mutmaßlich verursacht durch Rasentrimmer und Mähroboter.

Der erste Fall des Nachmittags ist ein stattlicher männlicher Igel mit tiefen Schnittverletzungen im Nackenbereich. Die Finderin konnte aufgrund langjähriger Erfahrungen mit Pflegeigel bereits eine erste Wundversorgung durchführen. Aufgrund der Schwere der Verletzungen wird der kleine Patient nach einer Spritze mit Schmerzmitteln direkt an eine Arztpraxis weiter „überwiesen“, mit der der Verein bereits seit längerem zusammen arbeitet. Gerade die Feststellung des Geschlechts entscheidet in der Igelstation über Erleichterung oder löst weitere Maßnahmen aus: Sollte ein verletztes Weibchen in die Station kommen, ist in dieser Zeit davon auszugehen, dass irgendwo stacheliger Nachwuchs auf seine Mutter wartet, der dann schnellstmöglichst gesucht und gefunden werden muss.

 

Auch beim zweiten Patient handelt es sich wohl um ein Unfallopfer, welches schwerste Schnittverletzungen im Rektum aufweist. Es ist nur zu vermuten, dass auch dieser Igel in Kontakt mit scharfen Gartenwerkzeugen gekommen ist, sodass auch dieses Tier aufgrund seiner kritischen Situation direkt mit seiner Finderin weiter zur Tierarztpraxis geschickt wird. Es verbleiben Blutflecken auf dem Handtuch des Behandlungsplatzes, welche das Team von sieben Ehrenamtlichen rund um Regine Weber an diesem Nachmittag zu keiner guten Prognose für dieses kleine Tierschicksal verleiten.

 

In diesem Moment wird bereits die nächste Transportbox geöffnet und zum Vorschein kommt nach den stattlichen großen Igeln eine kleine Handvoll. Ein Jungigel, welcher bereits zuvor Gast der Station war und aktuell aufgepäppelt wird. Auch er bringt eine Verletzung an der Vorderpfote mit sich, welche nochmal durch die erfahrenen Tierexpertinnen in Augenschein genommen wird, um über weitere Schritte zu beraten.

 

Wenige Minuten in der Igelstation in Dortmund-Dorstfeld, wenige Minuten, die sinnbildlich sind für die aktuellen Probleme in Sachen Tierschutz – Ehrenamtliche, welche viel Freizeit opfern, um verletzte Tieren das Überleben zu ermöglichen. Viel mehr Menschen sollten vor diesem Hintergrund lesen, was der Verein groß im Eingangsbereich aufgehängt hat:

Der Verein und auch alle anderen Igel-Vereine bundesweit freut sich vor diesem Hintergrund über jede finanzielle Unterstützung und Menschen, die bereit sind, das Team ehrenamtlich zu unterstützen:

Öffnungszeiten Igelstation/Beratungsstelle:

Zwischen 1. September 2023 bis 12. Januar immer montags, mittwochs und freitags von 17:30 bis 19:30 Uhr geöffnet. Adresse:  Hallerey 39, Dortmund-Dorstfeld (Tierschutzzentrum)

Kontaktdaten:
Telefon Igelstation: 0231 - 175555
Homepage Arbeitsgruppe Igelschutz Dortmund e.V.

Bundesweite Igel-Hilfe: Pro Igel e.V.

 

(se)

Stoppt die Exoten-Krise in unseren Tierheimen!

Wer in der Vergangenheit mal ein Tierheim von innen gesehen hat, der weiß: Das hier ist nicht der Amazonas-Regenwald, die Gobi-Wüste oder die Everglades. Drum sollte es verwundern, wenn einem im Tierheim um die Ecke Schlangen, Reptilien und etliche Schildkröten entgegenkommen. 

Die Coronapandemie hat Tierheime auch hierzulande immens getroffen: zu viele Tiere, zu wenig Personal, Geld- sowie Platzmangel. Neben dem Großteil an ab- oder gar zurückgegebenen Hunden und Katzen steht im Schatten dessen eine andere Gruppe, nämlich die Exoten. Exotische Tiere sind zwar kleiner als ihre vierbeinigen, flauschigen Mitbewohner, benötigen aber nicht weniger Aufwand. Ein häufiger Grund dafür, dass die Exoten gerade in der Pandemiezeit  und damit auch in einer Zeit steigender Preise in Tierheimen landen, sind die anspruchsvollen Haltungskosten. In von Selbstdisziplin geprägten Sparmaßnahmen, gestützt von heißem Tee und Kuschelsocken, scheint die Instandhaltung des feucht-warmen Paradieses für die extravaganten Hausbewohner absurd und untragbar. Also heißt es auch da ‘Sparen, wo man kann’, das Tier muss leider ausziehen. Und so werden die kostspieligen Anliegen als im Grunde nicht zu stemmende Belastungen an die Tierheime weitergegeben, wo meist unter Vollauslastung versucht wird, Räumlichkeiten, Platz und Personal für die neuen Bewohner zu organisieren, die gerne weiter in ihrer bis zu 30 °C Oase leben wollen und müssen. 

Eine äußerst belastende Geschichte, gerade auch weil hinzukommt, dass die Kleintiere mit ihren besonderen Bedürfnissen erheblich länger dort verweilen als die kleinen süßen Hundewelpen im Nachbarzimmer.  

Außerdem, wer den Begriff „Exoten“ hört, denkt zwar vermutlich eher an Amphibien und Reptilien, exotisch sind jedoch auch Hunderassen, wie beispielsweise der Kangal, eine türkische Herdenschutzhundrasse. Nicht nur die kleinen Begleiter haben hohe Ansprüche, auch gewisse Hunde benötigen eigentlich speziellere Behandlungen, die allerdings kaum in Tierheimen beachtet werden können. 

Klar ist also: Die infrastrukturellen und geldlichen Anforderungen an Tierheime sind mit Blick auf die Exoten-Krise offengelegt. Eine aus unserer Sicht vollends unnötige Strapazierung für Mensch und Tier, die es zu beenden gilt. Eine wirklich symbiotische Beziehung, etwa zwischen Mensch und Hund – auch hier müssen bestimmte Bedingungen notwendig eingehalten werden –, von welcher beide profitieren, ist dem Einsperren von exotischen Lebewesen definitiv vorzuziehen. Die Haltung dessen gilt es zu unterbinden. Exoten gehören in die Natur oder notfalls in professionelle Hände, wo zu ihrem Wohl gehandelt wird und nicht zum Interesse schaulustiger Privatpersonen. 

(tk)

Auslandstierschutz – Eine Reise nach Albanien

Albanien, ein Land auf dem Balkan zwischen Montenegro und Griechenland, mit seiner Fläche etwas kleiner als Belgien und mit rund 2,8 Millionen nur ein paar Einwohner:innen mehr als Schleswig-Holstein. Viele Strände entlang der Adria und des Ionischen Meeres, das Landesinnere durchzogen von den albanischen Alpen. Ein Land voller Kultur, geprägt von den unterschiedlichsten Einflüssen der sehr bewegten Geschichte und mit zahlreichen archäologischen Stätten. Ein Land, welches über viele Jahrzehnte als „Volksrepublik Albanien“ mit wechselnden Bündnissen zwischen Moskau, Belgrad und Peking von einem zunehmend paranoiden Diktator mit einem buchstäblichen Betonbolschewismus bis in die 1990er Jahre in die europäische Isolation getrieben wurde. Auch wenn die Armut in den vergangenen beiden Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist, weist es mit etwa 20 Prozent laut Weltbank weiterhin die höchste Armutsrate der Region auf, die vor allem alte Menschen und Angehörige von Minderheiten betrifft. Albanien ist bereits NATO-Mitglied und strebt gemeinsam mit dem Nachbarland Nordmazedonien eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union an, seit 2022 laufen hier Beitrittsverhandlungen.

Schmusen oder Arbeiten? Beides musste unter einen Hut gebracht werden.

Rund 12 Jahre ist es her, dass ich das erste Mal in Kontakt mit diesem Land kam, damals in Form einer Rundreise. Einige Jahre zuvor wurde von der gebürtigen Schweizerin Maria Cristina Medina-Casanova mit der Tierhilfe Tirana die erste vom Staat anerkannte Tierschutzorganisation gegründet. Die Tierhilfe stellt aktuell dort die einzige Alternative zu den landesweit aktiven Tötungsstationen dar. Maria und ich lernten uns damals eher flüchtig kennen, zuvor hatte ich in der Reisegruppe einige Spenden für das Tierheim nahe der Hauptstadt Tirana gesammelt. Obwohl ich schon damals ehrenamtlich im Vorstand eines Tierheims im Rheinland war und in dieser Funktion schon zahlreiche Tierschicksale erlebt hatte, schockierte mich die Situation vor Ort. Während der Reise quer durch das Land konnten wir nicht nur einmal tote Tiere von der Katze bis zum Esel am Straßenrand liegen sehen. Maria und ich blieben über die Jahre in Kontakt und im Mai 2023 konnte ich endlich meinen lang gehegten Plan umsetzen direkt nach Albanien zu reisen, um tatkräftig einige Tage vor Ort mithelfen zu können.

Eingang zum Tierheimgelände

Ein ganzes Stück vor den Toren der Hauptstadt liegt das Gelände der Tierhilfe, umgeben von hohen Mauern und eher unscheinbar, ganz ohne die aus Deutschland gewohnten Hinweisschilder zum nächsten Tierheim. Maria und ihr Mann Klodi betreiben das Tierheim auf dem rund 15.000qm großen Grundstück seit etwa 10 Jahren, dem vorausgegangen waren zahlreiche (und nicht freiwillige) Umzüge. In einem kurzen Rückblick erzählte mir Maria sichtlich bewegt von den Anfängen ihres Tierschutzengagements ins Albanien, welches sie fast das Leben gekostet hätte. So wurden ihr von aufgebrachten Menschen die Zähne eingeschlagen und sie sollte an einem Baum aufgehängt werden. Nur der Einsatz einer Freundin aus der deutschen Botschaft konnte Rettung in wortwörtlich letzter Sekunde schaffen. An diese traumatischen Erlebnisse schließt sich nahtlos das Anzünden eines vorherigen Tierheimgeländes an, bei dem zahlreiche Tiere den Tod fanden. Woher dieser Hass fragen sich sicher viele, die diese Zeilen lesen? Genau diese Frage stellte ich auch Maria, die mir die Situation mit dem geringen Stellenwert der Tiere in diesem Land erklärte, in dem durch traditionalistische Strukturen auch Frauen weit von einer gelebten Gleichberechtigung entfernt seien. Ein Land, in dem es vielen Menschen wirtschaftlich schlecht geht und wo das Verständnis fehlt, wie man sich dann für Tiere einsetzen kann. Tiere gelten dort für viele Menschen als „Werkzeug“, können sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen (Transport schwerer Lasten, Bewachung des Grundstücks) so wird ihnen das Futter entzogen oder es wird anderweitig versucht sie loszuwerden.

Neben Hunden, Katzen, Ziegen, Pferden und Hühnern gibt es auch zahlreiche Esel.

Zum Zeitpunkt meines Besuches befanden sich auf dem Gelände rund 500 Tiere, davon etwa die Hälfte Hunde. Darunter tierische Schicksale, die jedem Besucher Tränen in die Augen steigen lassen: von Eseln mit abgeschnittenen Ohren, Hunde, die abgegeben wurden, weil sie mit nur drei Beinen keinen Wert mehr für den Besitzer hatten, Pferde, die mit Eisenstangen verprügelt wurden und Hunde, die als Welpen ein zu nährstoffarmes Futter bekamen und deswegen Fehlbildungen der Knochen aufweisen. Über die letzten Jahre konnte Maria mehrere Tausende davon in ein neues Zuhause vermitteln, ein Großteil der Tiere dort ist aufgrund seiner Behinderungen oder des hohen Alters jedoch unvermittelbar. Diese Tiere dürfen bis zu ihrem natürlichen Lebensende im Zentrum verbleiben.  Die Vermittlungen ins europäische Ausland belaufen von Anfang an auf einem niedrigen Niveau von rund 100 Tieren, wovon nur etwa 30–40 nach Deutschland gekommen sind. Ein Grund dafür sind die extrem hohen damit verbundenen Kosten für ärztliche Untersuchungen (Titerbestimmungen, Impfungen, Chip usw.), Quarantäne und Flug. Zahlreiche Low-Cost-Carrier nehmen keine Tiere aus dem Land mit, sodass dies ausschließlich über Fluglinien wie die Lufthansa möglich ist.

Aufgrund der Auflagen des albanischen Staates als registrierter, gemeinnütziger Tierschutzverein darf Maria keine Vermittlungsgebühren für die Tiere verlangen. Der Betrieb ist also vollständig auf Spenden angewiesen. Ein Förderverein in der Schweiz hilft dabei, einen Großteil der Kosten zu decken. Durch stetige Kostensteigerung spitzte sich die finanzielle Situation in den letzten Monaten aber stetig zu, sodass zum aktuellen Zeitpunkt ein Weiterbetrieb des Tierheims nicht gesichert ist. Im Vorfeld meiner Reise konnte ich im Familien- und Freundeskreis sowie bei vielen Parteimitgliedern Spenden sammeln und so Maria und ihrem Team 1.500 € übergeben. Eine Summe, die für 54 Säcke Hundefutter und somit für rund 9 Tage reicht. Der Tierheimbetrieb verursacht jeden Monat an die 15.000 Euro Kosten, die auf Futter, Pacht, Strom/Wasser, Tierarzt und die vier Angestellten entfallen. Um noch eine Statistik zu bemühen: Insgesamt fallen rund 15 kg „Hinterlassenschaften” jeden Tag auf Neue an, welche über die albanische Müllabfuhr kostenpflichtig entsorgt werden muss.

An heißen Tagen verdunstet das Wasser oft schneller als dass es die Tiere trinken können.

Meine Hauptaufgabe der ersten Tage bestand daraus, die Wassertröge der Hunde zu reinigen und neu zu befüllen, obwohl erst Mai, brannte die Sonne am wolkenlosen Himmel schon mit weit über 20 Grad. In den Sommermonaten steigt die Hitze dabei regelmäßig auf über 40 Grad an. Ebenfalls ungewohnt für einen Besucher aus Deutschland: Die Gefahr von Giftschlangen und Skorpionen, für die aber spezielle Duftstoffe rund um das Gelände ausgelegt sind, um diese fernzuhalten. Was ich dabei erlebte waren zwei Arten von Hunden: Einige schüchterne und ängstliche Tiere, aber der Großteil absolut menschenbezogen, freundlich und verspielt, sodass rund 80 % meiner Arbeit in den Zwingern eher aus dem Streicheln bestand. Die überwiegende Mehrzahl der Tiere sind dabei in Rudeln von 3 bis 7 Tieren untergebracht. Dass bei 500 Tieren nur sehr wenig Zeit für individuelle Streicheleinheiten bei einem Team von nur 5 Personen besteht, sollte wohl jedem nachvollziehbar sein. Maria erklärte mir, dass sie fast alle Hunde an ihrem Bellen erkennen kann, um so schnell einschreiten zu können, falls es doch mal zu Streitigkeiten untereinander kommen sollte. Anders als zunächst zu erwarten wäre, sind die freundlichsten und verträglichsten Hunde direkt in den Zwingern rund um die Außenmauern untergebracht – Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass häufig Tiere aller Art (neben Hunden auch Katzen oder Kaninchen) über die Mauern geworfen werden und deswegen sitzen dort genau die friedfertigsten Hunde.

Spendenübergabe vor Ort

Albanien ist ein Land, was mir persönlich wieder einmal deutlich gemacht hat, dass Tierschutz nicht vor Landesgrenzen haltmachen darf und gerade in Süd- und Ost-Europa bei Mitgliedsstaaten der EU, aber auch bei Beitrittkandidaten ein größerer Fokus auf eine Angleichung an europaweite Standards gelegt werden muss. Hier geht es um nicht weniger als Leben und Tod für viele Tiere vor Ort! Diese Bemühungen auf europäischer Ebene sollten einen vollständigen Verzicht auf Tötungsstationen, der Förderung von regionalen Tierschutzvereinen und breit angelegten Kastrations-, Bildungs- und Aufklärungskampagnen beinhalten. Aktuell arbeiten wir an der Gründung eines deutschen Fördervereins, um die Arbeit von Maria und Klodi finanziell noch besser absichern und unterstützen zu können.

(se)

Tierheime weiter am Limit – Petition unterstützen!

„Zu viele Schnauzen für zu wenig Hände – die Tierheime sind am Ende!“ –  Tierheime bundesweit haben schon vielfach über die Medien wie z. B. den WDR Alarm geschlagen. Continue reading “Tierheime weiter am Limit – Petition unterstützen!”

Vorsicht vor dem Tierkauf auf TikTok und Meta

Onlineportale sind ein beliebter Verkaufsort für Tiere. Leider haben nun auch viele Vermehrer:innen TikTok und Meta (Facebook, Instagram)  für sich entdeckt. Hier finden sich seit längerem Livestreams, wo Welpen und Kitten verkauft werden. Teils aber auch Qualzuchten, wie Scottish Fold Kitten (wie in unserem Artikelbild). Wir warnen eindringlich davor, euch auf diesen Portalen Tiere zu kaufen, da der Verkauf und die Vermehrung von Qualzuchttieren verboten ist und auch die Vermehrung und der Verkauf von Rassetieren ohne Stammbaum Betrug ist.

Eigentlich ist der Verkauf von lebenden Tieren in den Handlungsrichtlinien von Facebook und Instagram verboten, das ist bedauerlicherweise bei TikTok nicht so. Doch auch die Verbote hindern viele nicht unter gewissen Hashtags ihre Welpen oder Kitten zu verkaufen. Das „ansprechende“ und perfide bei TikTok sind die Live-Videos, denn da holen sich die Verkäufer:innen die meisten Likes und Interessenten ab. Es ist ja total süß, live mit den Welpen und Kitten zu sprechen. So werde potenzielle Käufer:innen gelockt und achten dann nicht auf Warnzeichen.

Wer beim Vermehrer:innen oder auf diesen Portalen kauft, legt oftmals viel Geld auf den Tisch für eine gesundheitliche „Wundertüte“, denn die Kitten bzw. Welpen wurden nicht auf mögliche genetische Erkrankungen untersucht. Meistens sind die Tiere auch nicht geimpft, entwurmt und kastriert. Auch die Angaben „reinrassig“ ohne Stammbaum ist schlichtweg Betrug. Viele sind dann schon als Welpen/Kitten krank, haben Darmparasiten oder vielleicht sogar genetische Erkrankungen.

 

Woran erkennt man solchen Posts:

  • Angaben wie „reinrassig“, aber kein Stammbaum
  • „Ups“-Würfe (Würfe von unkastrierten Tieren)
  • Abgabe schon ab der 8. Woche oder früher (Viele Kitten z. B. werden da „entwöhnt“ und können schon mit festen Futter gefüttert werden. Ab da beginnen sie leider zu teuer für die Vermehrer:innen zu werden.)

 

Was ist zu tun:

  • Macht Screenshots von dem Account, der die Tiere anbietet. Wichtig ist, dass der Accountname zu sehen ist. Bei TikTok könnt ihr den Link zum Account kopieren, das geht bei Instagram und Facebook auch.
  • Ihr könnt auch als vermeintliche Interessenten Kontakt aufnehmen, um zu erfahren, wo die Anbieter:innen wohnen. Versucht so viele Infos wie möglich zu ziehen und leitet dann alle Informationen an die Polizei und das Veterinäramt weiter.
  • Nur den Account zu melden, ist zwar gut, aber teilweise wenig hilfreich, weil oftmals nichts passiert oder die Anbieter:innen dann einfach den Accountnamen wechseln.
  • Seid ihr unsicher, benutzt die Suchfunktion von Google, ob es sich bei der angebotenen Rasse um eine Qualzucht handelt.

 

Hier ein paar Qualzuchtrassen:

  • Scottish Fold (werden auch gerne als BKH verkauft)
  • Manx
  • Munchkin
  • Japanese Bobtail
  • Nacktkatzen ohne Schnurrhaare
  • TeaCup Hunde (Zwergspitz)
  • Mops
  • Widderkanninchen

 

Bei Facebook gibt es viele Gruppen, die auch illegal Tiere verkaufen und vermehren. Da könnt ihr auch Teilnehmer werden und Beiträge den Behörden melden.

Lasst euch nicht von den Behörden abschrecken und bleibt hartnäckig, denn es gibt nicht überall eine „SOKO Tierschutz“, wo Mitarbeiter:innen vom Veterinäramt täglich das Internet durchsuchen.

 

Und ganz wichtig:

Bitte keine Tiere über Social Media, Ebay etc. kaufen, denn Tiere sind keine Sachen. Adoptiert lieber Tiere aus dem Tierheim. So hart das auch klingt: Nur, wenn der Vermehrer:innen auf den Tieren sitzen bleibt, wird das Geschäft aufhören. Wir wissen, dass es einem das Herz bricht zu wissen, dass diese Tiere zurückbleiben, aber jede vermeintliche Rettung eines Tieres vom Vermehrer:innen trägt dazu bei, dass die Tiere weiterhin verpaart werden. Auch hier gilt, je höher die Nachfrage, desto mehr Vermehrer:innen wird es geben.

(mx)

Urlaubszeit als Tierschutzzeit nutzen

In NRW haben die Sommerferien schon begonnen, in vielen anderen Bundesländern starten sie in Kürze. Auch im Urlaub können Reisende eine aktive Rolle am Urlaubsort übernehmen und Tieren und Vereinen  direkt vor Ort helfen. Hier sind einige Möglichkeiten, wie wir alle etwas in den Ferien zum Tierschutz beitragen können:

  • Informiere dich im Voraus: Bevor du deine Reise planst, recherchiere über die Situation vor Ort und Vereine, die am Zielort tätig sind. Im Netz finden sich zahlreiche Informationen über bedrohte Arten, örtliche Schutzprojekte und verantwortungsvolle Tourismus-Initiativen.
  • Unterstütze nachhaltige Tierbegegnungen: Wähle Aktivitäten mit Respekt und Abstand zu den heimischen Tieren. Respektiere die natürlichen Lebensräume und vermeide Attraktionen und Orte, die Wildtiere in Gefangenschaft halten, missbrauchen oder ausbeuten. Wenn du vor Ort von derartigen Aktionen erfährst (z. B. Fotos mit Wildtieren) kläre andere Tourist:innen darüber auf.
  • Besuche stattdessen anerkannte Schutzgebiete und Naturschutzparks: Unterstütze finanziell und besuche Einrichtungen, die sich dem Schutz bedrohter Arten und deren Lebensräume widmen. Diese Orte bieten oft Bildungsprogramme und geführte Touren an, die es den Besucher:innen ermöglichen, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen.
  • Engagiere dich in der Freiwilligenarbeit vor Ort: Viele Tierschutzorganisationen freuen sich über jede Unterstützung. Mach vielleicht eine Art „Tagespraktikum“ in einem Tierheim oder einer anderen Einrichtung vor Ort. Die Möglichkeiten sind vielfältig und können die Pflege verletzter Tiere, die Renaturierung von Lebensräumen oder Bildungsarbeit umfassen.
  • Falls du mit dem Auto, Wohnmobil oder Co. anreist, kannst du dich erkundigen, ob Sachspenden vor Ort benötigt werden und dafür im Vorfeld eine kleine Sammlung organisieren. Achte hier aber unbedingt auf die Einfuhrrichtlinien, gerade im Nicht-EU-Ausland.

Flugpat:innen gesucht!

Auch eine Flugpatenschaft stellt eine großartige Möglichkeit dar, den Tierschutz im Ausland zu unterstützen. Recherchiere hier unbedingt bereits im Voraus Organisationen und Vereine, die solche Programme anbieten, um Tieren bei der Reise in ein neues Zuhause zu helfen. Nimm dafür im Vorfeld Kontakt auf und erkundige dich bereits frühzeitig nach den Abläufen und Anforderungen. Wichtig: Nicht alle Fluggesellschaften nehmen Tiere mit, die sogenannten „Billigflieger“ eigentlich nie. Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass für die Reisenden keinerlei Kosten entstehen, diese werden in der Regel durch die Vereine übernommen.

Noch etwas Urlaubsgeld übrig? Selbst wenn du an deinem Urlaubsort keine Unterstützung geben kannst, freuen sich Tierschutzvereine im Ausland und natürlich auch in Deutschland über jeden Euro. Für das Geld können Futter oder Medikamente gekauft werden und du kannst zudem jede Spende für einen eingetragenen Verein steuerlich geltend machen.

Wichtig am Ende: Teile dein Wissen! Nutze deine Reiseerfahrungen, um das Bewusstsein für den Tier- und Naturschutz zu erhöhen. Teile deine Erlebnisse in sozialen Medien oder mit Freund:innen und Familie, um andere dafür zu sensibilisieren.

Erstattet Anzeige und helft ausgesetzten Tieren!

Am Straßenrand saß ein Kätzchen und war zwischen dem hohen Gras kaum zu sehen. Es rasten so viele Autos vorbei, doch keiner hielt an. Der Lärm verunsicherte die kleine Katze und ihre Beine fühlten sich vor Angst wie gelähmt an. Doch sie wusste eh nicht wohin sie hätte laufen können.

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Jetzt mehr denn je: Adopt, don’t shop!

Viele Tierheime in Deutschland schlagen Alarm: Immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine bringen ihre Haustiere mit – und die Aufnahmekapazitäten reichen nicht mehr aus!

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