Angriff auf die Verkehrswende: Berliner Senat beendet Förderung für Berliner Kiezblocks

Berliner Senat beendet Förderung für Berliner Kiezblocks – Klimaliste Berlin und Tierschutzpartei Berlin verurteilen erneuten Angriff auf die Verkehrswende.

Mit scharfem Protest reagieren die Klimaliste Berlin und die Tierschutzpartei Berlin auf die Entscheidung des Berliner Senats, den Bezirken sämtliche Fördermittel für die Einrichtung von Kiezblocks zu entziehen und laufende Projekte zu beenden. Dieser Beschluss steht exemplarisch für eine Politik, die die dringend notwendige Mobilitätswende systematisch blockiert – und damit den Weg in eine klimagerechte und lebenswerte Stadt aktiv verbaut.

„Der Berliner Senat zeigt erneut, dass ihm die Interessen der Autolobby wichtiger sind als eine lebensfreundliche Stadt für alle“, erklärt Nico Poschinski, Co-Landesvorsitzender der Tierschutzpartei Berlin. „Die Kiezblocks sollten mehr Sicherheit, bessere Luft und mehr Lebensqualität in die Kieze bringen – ihre Streichung ist ein offener Angriff auf die Verkehrswende.“

Kiezblocks stehen für ein einfaches, wirksames Prinzip: den Durchgangsverkehr aus Wohnvierteln heraushalten, damit mehr Platz für Menschen entsteht – für sichere Schulwege, barrierefreie Mobilität und Radverkehr. Statt diesen Weg weiterzugehen, kappt der Berliner Senat nun die Mittel – mit verheerenden Folgen

Klimaschutz? Lebensqualität? Fehlanzeige.

Der Stopp der Förderung ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich für eine gerechtere, emissionsärmere Stadt einsetzen. Besonders absurd: Während Milliarden weiter in den motorisierten Individualverkehr fließen, wird bei vergleichsweise kleinen, aber hochwirksamen Projekten wie den Kiezblocks der Rotstift angesetzt.

„Die Kiezblocks sind ein wichtiges Werkzeug, um unsere Stadt sicherer, gesünder und klimagerechter zu gestalten“, so Friederike Wenderoth, Co-Landesvorsitzende der Klimaliste Berlin. „Wer hier spart, verschärft die sozialen und ökologischen Probleme von morgen – und beweist, dass er keine echte Vision für Berlin hat.“

Die Klimaliste Berlin und die Tierschutzpartei Berlin fordern:

Die sofortige Rücknahme des Förderstopps für Kiezblocks in Berlin
Eine berlinweite Ausweitung des Programms – mit verlässlicher Finanzierung
Eine klare politische Priorität für Fuß-, Rad- und öffentlichen Nahverkehr – statt immer neuer Zugeständnisse an den Autoverkehr
Die Klimakrise wartet nicht. Die lebenswerte Stadt muss jetzt entstehen – von unten, mit Mut und mit klarer Haltung gegen die Blockadepolitik des Senats.

Für sichere Kieze, für klimagerechte Mobilität, für ein Berlin, das allen gehört.

Stellungnahme zum Ende des öffentlich geförderten Leihradsystems in Berlin

Mit großer Sorge und Enttäuschung nehmen wir als Tierschutzpartei Berlin zur Kenntnis, dass das öffentlich geförderte Leihradsystem in Berlin ab Juli 2025 nicht weitergeführt wird. Der Wegfall der finanziellen Unterstützung für das Leihradsystem durch den Berliner Senat ist ein herber Rückschlag für die dringend benötigte Mobilitätswende in unserer Hauptstadt.

Die Mobilitätswende darf nicht unter dem Vorwand kurzfristiger Sparmaßnahmen geopfert werden. Eine klimagerechte Stadt braucht nicht weniger, sondern mehr öffentliche Investitionen in nachhaltige Mobilitätsangebote. Stattdessen erleben wir erneut, wie eine verfehlte Haushaltspolitik das Gegenteil bewirkt: Der Umwelt- und Klimaschutz wird zugunsten kurzfristiger Einsparziele und wirtschaftlicher Interessen geopfert.

Ein öffentlich gefördertes Leihradsystem ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer sozial gerechten und ökologischen Verkehrswende. Es ermöglicht allen Menschen – unabhängig von Einkommen oder Wohnort – den Zugang zu klimafreundlicher Fortbewegung. Gerade in den Randbezirken, die vom ÖPNV oft nur unzureichend erschlossen sind, schließt das Leihrad eine wichtige Lücke. Dass sich Anbieter wie Nextbike nun aus diesen Bezirken zurückziehen müssen, zeigt deutlich, wohin eine rein gewinnorientierte Mobilitätsstruktur führt: in die soziale Spaltung.

 
Wenn Gemeinwohl fehlt, bleiben viele auf der Strecke.

Ohne öffentliche Förderung ist kein flächendeckendes Angebot möglich. Private Anbieter müssen sich auf lukrative Innenstadtbereiche konzentrieren – Randbezirke bleiben außen vor. Die Nutzung wird teurer, was zu einem Rückgang der Nutzer:innenzahlen führt. Damit wird der Zugang zu umweltfreundlicher Mobilität für viele Menschen erschwert oder sogar unmöglich gemacht. Eine Regierung, die behauptet, den Klimaschutz ernst zu nehmen, aber gleichzeitig seine praktikablen Instrumente abschafft, handelt widersprüchlich und fahrlässig.

Hinzu kommt: Die Entscheidung der CDU-geführten Senatsverwaltung, die Mittel nicht freizugeben, obwohl sie bereits vorgesehen waren, ist nicht nur ein Bruch mit demokratischen Entscheidungsprozessen – sie ist ein klares Zeichen dafür, wessen Interessen hier bedient werden. Während Radverkehrsprojekte gestrichen werden, bleibt die massive Subventionierung des motorisierten Individualverkehrs unangetastet. Die Autolobby hat in dieser Stadt offensichtlich weiterhin das Sagen.

 
Fahrradfahren ist nicht nur klimafreundlich – es ist gesund.

Radfahren ist eine der effektivsten und alltagstauglichsten Formen körperlicher Betätigung. Wer regelmäßig Fahrrad fährt, stärkt das Herz-Kreislauf-System, reduziert Stress, beugt Zivilisationskrankheiten vor und verbessert das allgemeine Wohlbefinden. In einer Gesellschaft, die mit Bewegungsmangel und seinen gesundheitlichen Folgen kämpft, ist jede Maßnahme, die zum aktiven Lebensstil beiträgt, auch ein Beitrag zur öffentlichen Gesundheit. Öffentliche Leihräder machen gesundheitsfördernde Mobilität für alle zugänglich – gerade auch für Menschen, die sich kein eigenes Fahrrad leisten können oder in der Stadt flexibel unterwegs sein wollen.

 
Wir sagen: Schluss damit!

Die Klimakrise duldet keinen Aufschub. Die Städte der Zukunft brauchen verlässliche, emissionsfreie, sichere und bezahlbare Mobilität für alle – und das heißt: Fuß, Rad und öffentlicher Nahverkehr müssen Vorrang vor dem Auto haben. Dazu gehört auch ein flächendeckendes und öffentlich gefördertes Leihradsystem.
Die Tierschutzpartei Berlin fordert daher:

  • die sofortige Rücknahme des Förderstopps,
  • die umgehende Neuausschreibung eines stadtweiten Leihradsystems,
  • und eine langfristige finanzielle Absicherung nachhaltiger Mobilitätsangebote im Berliner Haushalt.

Wir setzen uns für eine lebenswerte Stadt für Mensch, Tier und Umwelt ein. Dazu gehört ein vielfältiges, gerechtes, gesundes und umweltfreundliches Mobilitätsangebot – und das darf nicht dem Sparzwang geopfert werden.

Für eine echte Verkehrswende – für eine gerechte Stadt – für ein lebenswertes Berlin.

Tierschutzpartei bringt Verkehrsberuhigung und Mobilitätswende voran

Berlin, 03.04.2025 – Ein Erfolg für mehr Sicherheit im Kiez: Die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick hat heute einem Antrag der Tierschutzpartei zugestimmt, der den Verkehr in der Griechischen Allee in Oberschöneweide beruhigen soll. Damit wird ein wichtiger Schritt hin zu einer Bürger*innen orientierten Mobilitätspolitik gemacht.

Die Griechische Allee in Oberschöneweide ist für viele Autofahrende eine beliebte Abkürzung Richtung Wuhlheide – leider oft mit zu hoher Geschwindigkeit. Anwohner*innen schlagen seit langem Alarm: Besonders für Familien mit Kindern und mobilitätseingeschränkte Personen ist die Situation gefährlich. Auf den Mittelinseln der Straße befinden sich zwei Spielplätze, die täglich von Kindern genutzt werden – doch rücksichtsloses Rasen macht das Queren der Straße zum Risiko. Jetzt kommt Bewegung in die Sache: Die Tierschutzpartei forderte mit ihrem Antrag den Einbau von Temposchwellen, um das Tempo zu drosseln und den Bereich sicherer zu machen. Die BVV gab heute grünes Licht für die Prüfung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen zwischen der Roedernstraße und der Großstraße.

„Dieser Beschluss ist ein wichtiger Schritt hin zu einem Bezirk, der die Bedürfnisse der Schwächsten ernst nimmt – Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Wir schaffen damit eine lebenswertere Nachbarschaft, und dieses Modell kann Vorbild für weitere Kieze in Berlin sein“, betont die Bezirksverordnete Jennifer Schrodt. Mit der heutigen Entscheidung könnte die Griechische Allee schon bald ein sicherer Ort für alle werden – und ein Beispiel dafür, wie Mobilitätspolitik im Sinne der Bürger*innen gestaltet werden kann. Ein Antrag der Tierschutzpartei, der das Überholen einspuriger Fahrzeuge durch mehrspurige Kraftfahrzeuge in der engen Griechischen Allee untersagen sollte, fand heute dagegen keine Mehrheit. Dabei hatte der Vorschlag das Ziel, gefährliche Situationen für Radfahrer*innen zu entschärfen, die dort regelmäßig durch rücksichtslos überholende Autos entstehen.

„Ein Verkehrsschild zum Schutz für Radfahrende aufzustellen, macht aus der Griechischen Allee noch keinen ‘Schilderwald’“, entgegnete Jennifer Schrodt auf die ablehnende Haltung im Ausschuss. Ein einfaches Hinweisschild hätte laut Schrodt die Achtsamkeit der Autofahrenden erhöhen und zu einer schnellen Verbesserung der Verkehrssituation beitragen können.

Doch die Debatte um eine bürgerfreundliche Verkehrspolitik geht weiter: Die Tierschutzpartei brachte heute einen neuen Antrag ein, der eine sichere und barrierefreie Querungsmöglichkeit für Fußgänger*innen an der Kreuzung Siemensstraße/Deulstraße fordert. Grund ist der Ausbau der dortigen Feuerwehrwache, aktuell eine Baustelle, die zur Sperrung des Gehwegs führt und damit Zufußgehende massiv benachteiligt.

„Eine Verkehrspolitik, die sich an den Bedürfnissen der Bürger*innen orientiert, muss rücksichtsvoll sein – nicht einseitig zugunsten des motorisierten Verkehrs“, so Schrodt. Mit dem neuen Antrag soll sichergestellt werden, dass Menschen sicher und barrierefrei über die Straße kommen – ein weiterer Schritt hin zu einem lebenswerten Kiez.

Kontakt für Nachfragen:
Jennifer Schrodt
Verordnete BVV Treptow-Köpenick
jennifer-schrodt@tierschutzpartei.de

Mahnwache in Mönchengladbach

Mitglieder unserer Regionalgruppe Mönchengladbach nahmen am vergangenen Wochenende an einer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) organisierten Mahnwache für die verstorbenen Radfahrerin in Mönchengladbach-Rheydt teil. Die 71-Jährige wurde bereits am 26. September am Rand des Marktplatzes in der Rheydter Innenstadt von einem Lkw überrollt und verstarb nach einem Transport mit dem Rettungshubschrauber wenig später im Krankenhaus. Am Unfallort stellte der ADFC ein sogenanntes Geisterrad auf. Das weiß lackierte Fahrrad soll dabei dauerhaft an die verstorbene Radfahrerin erinnern.

 

Vor dem Hintergrund dieses und vieler weiterer Unfälle mit Toten und schwer verletzten Radfahrer:innen fordern wir in den Städten und Gemeinden in NRW einen viel stärkeren Fokus auf die Sicherheit von Radwegen:

  • Es ist ein durchgehendes Radwege-Netz zu schaffen, was bedeutet, dass es keine „Radweg-Ende“- oder „Radfahrer absteigen“-Schilder mehr geben darf.
  • Es muss durchgängig eine ausreichende Breite der Radwege bestehen, dies beinhaltet die sicheren seitlichen Abstände (zum fließenden Verkehr, Mauern, Lampen, Verkehrsschildern usw.) und abgesenkte Bordsteine.
  • Schlaglöcher und andere Hindernisse wie Mülltonnen, Werbeschilder und ähnliches darf es auf Radwegen nicht mehr geben.
  • Die Infrastruktur der Radwege muss durchgängig selbsterklärend und intuitiv verständlich sein, um unerfahrene Radfahrenden, Kindern und Ortsfremden eine gute Orientierung zu geben.
  • Auf den Hauptradrouten ist unbedingt eine Trennung der Verkehrsarten vorzusehen.
  • Gemischte Führungen von Rad- und Fußverkehr sind ausschließlich bei sehr geringem Verkehrsaufkommen denkbar.
  • Freie Rechtsabbieger oder Bypässe an Kreisverkehren über eine Radwege- oder Fußwegeverbindung hinweg oder Lichtsignalanlagen mit bedingtem Grün (Gelbblinker) sind nicht mit einer sicheren Rad-Infrastruktur vereinbar.

(se)

Analyse der Verkehrssituation – Was läuft verkehrt?

Wenn wir allgemeinsprachlich von „Verkehr“ sprechen, beziehen wir uns meistens auf den Automobilverkehr. Erst einmal beschreibt Verkehr allgemein die Beförderung von Lebewesen oder Gegenständen auf – nicht unbedingt extra dafür angelegten, aber – etablierten Wegen. Verkehr gab es schon immer und Verkehrspolitik ist deswegen eigentlich nicht gleich Automobilpolitik und sollte es nicht sein. Leider wird sie aktuell aber als genau das verstanden.

Immerhin standen das Auto und der Ausbau von Automobilverkehr politisch und gesellschaftlich noch nie so sehr im Fokus wie heute. Wird von Mobilität gesprochen, ist meistens automobile Mobilität gemeint, wird von Infrastruktur gesprochen, ist meistens das Straßennetz gemeint. Bedauerlicherweise bringt uns die weitgehend auf den individuellen Autoverkehr ausgelegte Mobilität bei einem kontinuierlichen Ausbau des Straßennetzes jedoch immer häufiger an unsere Grenzen. Schauen wir aber einmal genauer hin, was Automobilverkehr überhaupt ist, wie er heute aussieht und was die besagten Grenzen und Probleme sind. Im ersten Schritt kann beim Automobilverkehr zwischen reinem Transport, Individual- und öffentlichem Personenverkehr unterschieden werden.

Transportverkehr

Beim Transportverkehr werden, wie der Name schon sagt, vor allem großflächig Gegenstände und Lebewesen transportiert. Vor allem geschieht dies mit LKW, also Lastkraftwagen. Laut Auswertung des Statistischen Bundesamtes wurde so im Jahr 2021 circa 79,47 Prozent des gesamten deutschen Güterverkehrs im Straßenverkehr abgewickelt. Im Vergleich dazu fand im Jahr 2021 gerade einmal 8,36 Prozent des Güterverkehrs auf den Schienen statt.

Leider sind LWKs fast immer mit Dieselmotoren ausgestattet. Das betrifft laut Statista immerhin 3,4 von 3,6 Millionen in Deutschland zugelassene LKW. Dass entsprechende, durch Diesel verursachte Abgase der Umwelt enorm schaden, dürfte heute allgemein bekannt sein. Aber auch Lärm, Gummi, das durch die Abnutzung von Reifen freigesetzt wird und ins Grundwasser gelangt und der Verbrauch von nachhaltigen Ressourcen wie Öl stellen ernstzunehmende Probleme dar.

Überlastetes Güterverkehrsnetz in NRW

In Nordrhein-Westfalen leidet besonders die Metropolregion Rhein-Ruhr unter dem regen Güterverkehr. Aktuell (Ende 2023) wird der Neubau der Autobahnbrücke Neuenkamp, die A40 bei Duisburg über den Rhein führt, fertiggestellt. Täglich wurde sie von circa 100.000 Kraftfahrzeugen genutzt wird, war ursprünglich aber nur für 30.000 ausgelegt. In den vergangenen Jahren wurden laut Land NRW zudem täglich circa 50 rechtswidrig überladene LKW beim Überqueren der Rheinbrücke aus dem Verkehr gezogen. Doch bleibt es nicht bei diesem einen Neubau: Eine zweite, parallel verlaufende Brücke mit vier weiteren Spuren pro Fahrtrichtung soll bis 2026 fertiggestellt werden.

Öffentlicher Personalverkehr

Doch nicht nur Waren und sogenannte Nutztiere müssen transportiert werden. Auch wir Menschen haben das Bedürfnis, den Wunsch oder die Pflicht, motorisiert an Orte zu reisen, die wir nicht oder nur schwer zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen könnten. Diese Art der Fortbewegung ist eine wichtige Voraussetzung für Arbeit, Bildung, Versorgung und Freizeitgestaltung. Als ÖPNV (öffentlichen Personennahverkehr) versteht man Verkehr, der dazu konzipiert ist, ganze Menschengruppen gezielt zu transportieren. Beliebte Verkehrsmittel sind Bus und Bahn, unter anderem Eisenbahn und Straßenbahn.

Das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die nachhaltigste Art, voranzukommen, jedoch nicht immer gut oder überhaupt möglich. Leider sind Bus- und Schienennetze nämlich in zum Teil mangelhaftem Zustand und eine zeitnahe Ausbesserung scheint nicht in Sicht. Laut Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW ist die Situationen der Bahn besonders in Nordrhein-Westfalen brenzlich: „Wir haben hier fünfmal mehr technische Störungen als etwa in den Niederlanden.“ Insbesondere Köln in geraten so Züge regelmäßig ins Stocken. Die Bahn will in NRW zwei Milliarden Euro investieren, doch ob das die Probleme der kaputt gesparten Bahn auch tatsächlich beheben wird, sind unklar.

Motorisierter Individualverkehr

Beim motorisierten Individualverkehr (MIV) wird in der Regel kein Fremdgut transportiert, er dient primär der individuell gestalteten Fortbewegung und möglicherweise überdies dem Transport von Eigenbesitz. Nicht nur eigene Autos, sondern auch Mietfahrzeuge, im Rahmen von Carsharing beanspruchte Autos, gehören zum motorisierten Individualverkehr. Trotzdem ist dieser nach wie vor von Eigenwagen geprägt.

Laut ADAC besaßen im Jahr 2021 circa drei Viertel der Haushalte in Deutschland mindestens ein Auto. Mehr als einer von vier Haushalten besaß sogar zwei PKW, also Personenkraftwagen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Zahl heute zurückgegangen ist.

Motorisierter Individualverkehr in NRW

Seit mehreren Jahren schon verteidigt Nordrhein-Westfalen in der bundesweiten Stau-Statistik den Spitzenplatz an Bundesländern mit den meisten Staus. Im Jahr 2020 hat laut ADAC ein Drittel aller deutschen Staus den Verkehr in NRW stattgefunden.

Laut Statistischem Landesamt ist in NRW zwar die PKW-Dichte lediglich im bundesweiten Mittelfeld, aber es zeigt auch, dass in immer mehr PKW in NRW angemeldet werden. Allein zwischen 2022 und 2023 hat die Gesamtanzahl an Autos in NRW um 0,5 Prozent zugenommen. Heute sind in NRW circa 10,5 Millionen PKW zugelassen. Bei Stand 2023 insgesamt circa 18 Millionen Einwohnern entspricht das einem PKW auf 1,7 Einwohner.

Probleme des individuellen Autoverkehrs

Die von Individualverkehr geprägte Verkehrsinfrastruktur prägt das Landschaftsbild überall im zubetonierten Deutschland stärker als Wiesen, Wälder und Parks. Das Auto herrscht deutschlandweit und in NRW auf dem Dorf, in dem man auf es angewiesen zu sein glaubt, und im Kern der Großstadt, der nachgesagt wird, auch für die Autofahrt attraktiv sein zu müssen.

So sind laut Bundesumweltamt in Deutschland immerhin circa 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt, also zubetoniert, -asphaltiert, -gepflastert oder auf andere Weise befestigt. Wichtige Bodenfunktionen, vor allem die Wasserdurchlässigkeit und die Bodenfruchtbarkeit, gehen zunehmend verloren.

Etablierung von individuell ausgerichtetem Automobilverkehr

Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2022 lediglich 6,7 Milliarden Personen regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln befördert, wohingegen circa 45 Milliarden Personen regelmäßig mit dem Auto gefahren sind. Mobilität und vor allem mobile Flexibilität haben in unserer Gesellschaft einen enorm hohen Stellenwert und für viele Menschen, die in unserer Gesellschaft leben, gehört das eigene Auto fest zum Alltag dazu.

Der PKW scheint in Deutschland gerade unantastbares Heiligtum zu sein. Die aktuell herrschenden politischen Narrative fördern dabei den Individualverkehr und insbesondere die private Nutzung des PKW nur noch weiter, indem sie dem Verkehrswachstum mit neuen Straßenprojekten mit offenen Armen begrüßen oder sogar fördern.

Einschränkungen des Menschen durch den Automobilverkehr

Aber das ist nicht das einzige Problem: In Städten und an Schnellstraßen und Autobahnen ist auch Autolärm omnipräsent und wertvoller Raum wird für Straßen und riesige Parkplatzflächen wie Parkhäuser benötigt. Sogar Fahrradwege und Wanderrouten werden von und für Autostraßen unterbrochen. Der Verkehrsfluss auf Autobahnen und um viele Großstädte ist von Staus, Unfällen und nie endenden Baustellen geprägt.

Doch zahlen wir nicht nur jetzt gerade, unter anderem durch Flächenverbrauch, einen hohen Preis für den unangemessenen Straßenbau: Durch versteckte Subventionen, die von der Allgemeinbevölkerung für den Ausbau von Automobilverkehr zahlen muss, werden kommende Generationen für die heute gebauten Verkehrsinfrastrukturen ungefragt in die Pflicht genommen.

Umweltbelastung durch den Automobilverkehr

Die wenigen verbliebenen Wälder und Waldteile wie der Dannenröder Forst 2020 werden für den Individualverkehr nach und nach für weitere Straßen gerodet. Der immer ein Stück weit egozentrische Individualverkehr führt unabdingbar zu immer größeren Einschränkungen und Problemen für die Umwelt und damit auch für den Menschen.

Schlussendlich ist es schon fast ein alter Hut, dass Kohlendioxid in Abgasen das Klima enorm belastet und die Automobilnutzung zu den Hauptverursachern von fossilem CO2 gehört. Auch Schadstoffe wie Feinstaub oder Stickoxide beeinflussen die Luftqualität negativ.

Alternativen zum individuell ausgerichteten Automobilverkehr

Zahlreiche Argumente sprechen für eine Politik, die sich dem individuell ausgerichteten Automobilverkehr abwendet und alternative Verkehrsformen fördert. Doch Klimaaktivismus, der sich aus diesem Grund gegen die unreflektierte individuelle Automobilnutzung positioniert, wird medial geradezu stigmatisiert und aufs Schärfste verurteilt. Das privat genutzte Auto muss jedoch einer egozentrisch geprägten Vergangenheit angehören, wenn wir wollen, dass auch noch zukünftige Generationen auf diesem Planeten überleben.

Hierfür müssen aber alternative Mobilitätskonzepte zugelassen werden. Unter anderem sollten öffentliche Verkehrsmittel stärker gefördert und ausgebaut werden und eine Mobilität bereitgestellt werden, die nicht auf das Vorhandensein eines eigenen Autos angewiesen ist. Mehr Innenstädte sollten Autos maximal für den notwendigen Gütertransport zulassen (Stichwort autofreie Innenstädte) und bisher für Parkplätze und Straßen genutzte Asphaltwüsten sollten renaturiert werden und als grüne Oasen das urbane Leben angenehmer gestalten. Und durch die Förderung des Fuß- und Radverkehrs müsste das Zurücklegen von Kurzstrecken ohne motorisiertes Vehikel attraktiver gestaltet werden.

(rl)

Frieden schaffen!

Die Position und konkreten Forderungen der PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ zur Wiederherstellung des Friedens in Europa – Teil I

Als pazifistische Partei des Mitgefühls für die Stimmlosen und Schwächeren setzen wir uns für umfassende Gewaltfreiheit ein. Continue reading “Frieden schaffen!”