Leserbrief zum Artikel „Studie: Keine Krebsgefahr bei Glyphosat“ am 16.03.2017 in der HAZ
Von Dr. Sarah Fretzer / LV Niedersachsen
Was ist Glyphosat? Es ist ein Herbizid, ein Unkrautvernichter, d.h. es vernichtet alle Pflanzen, die wir nicht haben wollen. Die große Diskussion ist ja: ist es krebserregend oder nicht? Als Bürger weiß man wohl gar nicht, was oder wem man glauben soll. Es gibt so viele Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen und man sollte sich immer schlau machen, wer die Studie bezahlt und veröffentlicht hat. Ganz schön anstrengend! Aber es gibt eine einfache Lösung: man muss über das Thema mal intensiv nachdenken und dann eine Entscheidung treffen!
Leserbrief zu dem Artikel „Das Land will weniger Tierversuche“ (09.03.2017) in der HAZ
Von Dr. Sarah Fretzer / LV Niedersachsen
Niedersachsen möchte mehr tierversuchsfreie Forschung und fördert dies mit 4,5 Millionen Euro, verteilt über 4 Jahre. Bundesweit fließen laut dem Artikel „Das Land will weniger Tierversuche“ mehrere Milliarden in die Tierversuche. Allein der Haushalt des Primatenzentrums in Göttingen lag 2015 bei über 28 Millionen Euro!
Leserbrief zu dem Artikel „Wenn der Affe in die Röhre kommt“ (28.02.2017) in der HAZ
Von Dr. Sarah Fretzer / LV Niedersachsen
Die HAZ beschreibt einen Tierversuch, in dem ein Affe sich freiwillig in einen MRT-Scanner legt und einen Verhaltenstest macht. Der Text klingt so schnuckelig und harmlos, als wäre es ein Wellness-Programm für Versuchstiere.
Am 11.03.2017 war unsere 2. Vorsitzende Susanne Berghoff zu Gast beim Tierschutzverein Cuxhaven und konnte auch hier Unterstützungsunterschriften sammeln.
Sie stellen in Ihrem Kommentar die Frage “Kann ein ausgestopfter Wolf ängstliche Gemüter beruhigen?“ und Sie beschreiben in Ihrem Artikel die Hysterie, die durch Wolf MT6 alias ‚Kurti‘ und seiner „Entnahme“ in Deutschland herrscht. Kurti soll nun als ausgestopfter Wolf in Deutschland auf Wanderschaft gehen und einen sachlichen Umgang mit dem Reizthema Wolf anstoßen.
Stellungnahme von unserer promovierten Biologin aus dem LV Niedersachsen
Am 10.02.2017 war in den HAZ zu lesen, dass unser Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt jetzt genau wissen möchte, wie man beurteilt, ob es unseren sog. Nutztieren gut geht. Für die Beantwortung dieser Frage beauftragte er die Tierärztliche Hochschule, der ein Förderbeleg i.H.v. 730.000 € übergeben wurde. Aus Sicht der Tierschutzpartei hätte diese Frage auch ohne großen personellen und finanziellen Aufwand beantwortet werden können, wie sich aus beigefügter Stellungnahme ergibt.
Naja, das ebenfalls von ihm beauftragte Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ ist ja auch schon 2 Jahre alt. Vielleicht hofft er, durch die Forschungen der TiHo belegen zu können, dass es unseren Tieren eigentlich gar nicht so schlecht geht.
TiHo erforscht wie es Tieren geht – für über 730 000 Euro
Wie beurteilt ein Tierarzt, ob es Tieren gut geht? Man begutachtet zum Beispiel Verletzungen an den Füßen, Liegestellen, Herz und Lunge. Diese Forschung an der TiHo wird Jahre dauern, kostet ein Vermögen und bringt letzten Endes: Nichts! Der gesunde Menschenverstand sagt uns folgendes: wenn man den ganzen Tag auf verletzten Füßen steht, dann bereitet das Schmerzen und man fühlt sich nicht wohl. Wenn man wochenlang in einen Kastenstand bzw. in einem metallenen Foltergerät, das denen im Mittelalter sehr ähnelt, eingezwängt wird, damit man nicht aus Versehen Ferkel erdrückt, dann bekommt man äußerlich sichtbare Liegestellen, von der psychischen Quälerei ganz zu schweigen und man fühlt sich nicht wohl. Hat ein glückliches Schwein ein Herz und eine Lunge, die sich von einem unglücklichen Schwein unterscheiden? – Was spielt das für eine Rolle? In dem Moment, in dem wir das herausfinden, ist das Schweineleben vorbei, die Organe liegen vor uns auf dem Tisch und die Antwort ist dem Tier jetzt furzegal.
Als promovierte Biologin möchte ich der TiHo die aufwendige Forschung ersparen und beantworte hier die Forschungsfrage: „Woran erkenne ich, ob es einem Tier gut geht?“ für ganz umsonst.
1. Das Schwein.
Ein Schwein fühlt sich wohl, wenn es ein artgerechtes Leben führen kann. Was heißt das? Ein Schwein führt ein glückliches Schweineleben, wenn es sich so verhält wie seine Artgenossen in freier Wildbahn, d.h. es lebt in einer Familie und streift durch Wälder und Wiesen, suhlt sich im Schlamm, geht vielleicht mal Schwimmen, erlebt die Jahreszeiten und ernährt sich von dem was es mit seiner Wühlscheibe an der Nase im Boden findet. Das ist ein glückliches Schweineleben.
Was ist kein glückliches Schweineleben?
Fotoquelle: Peta
Zum Beispiel: ein enger Stall mit Spaltboden, in dem es bestialisch stinkt und die empfindliche Nase, die sogar Trüffel im Erdboden riechen kann, zur Qual wird. Fühlt sich ein Schwein wohl, wenn
(1) es wochenlang im Kastenstand dahinsiecht? Nein.
(2) es miterleben muss, wie seine Ferkel totgeschlagen werden? Nein.
(3) die Ferkeljungen ohne Betäubung die Hoden rausgeschnitten bekommen? Nein.
(4) die Ringelschwänzchen abgeschnitten werden? Nein.
(5) es tagein, tagaus immer nur in der Produktionshalle mit künstlicher Belüftung steht, ohne je die Sonne oder Regen erleben zu dürfen? Nein.
(6) es in eine Gaskammer getrieben wird, wo es verzweifelt nach Luft schnappt, bis es ohnmächtig wird und ihm dann mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten wird? Nein.
2. Die Kuh.
Eine Kuh ist glücklich, wenn sie in einer Herde, mit ihrer Familie auf einer Wiese lebt. Ist eigentlich ganz einfach, oder?
Wann ist eine Kuh nicht glücklich?
Fotoquelle: Peta
(1) Wenn man ihr kurz nach der Geburt ihr Baby wegnimmt.
(2) Wenn ein Mensch den Arm in ihren Hintern steckt oder die Kuh sonst wie körperlich belästigt , z.B. um eine künstliche Befruchtung durchführen zu können.
(3) Wenn sie mit Metallketten im Stall angebunden ist und sie sich ihr Leben lang nur ein paar Meter bewegen kann.
(4) Wenn ihre Füße auf dem vollgekackten, stinkenden Spaltboden entzündet sind und jeder Schritt wehtut.
(5) Wenn ihr schmerzhaft ihre Hörner entfernt werden.
(6) Wenn ihr riesiger Euter und ihre gigantische Milchproduktion ihren Kreislauf so stark belasten, dass sie sich nicht mehr mit ihrem natürlichen Futter (Gras!) ausreichend ernähren kann und einige Kühe im Stall einfach tot umfallen.
(7) Wenn ihr ein Mann in einer engen Metallbox ein Gerät an den Kopf hält und einen Metallbolzen durch die Schädeldecke jagt, sie benommen umfällt, man die Kuh an einem Bein aufhängt und ihr dann den Hals aufschlitzt. – Ich war noch nicht live dabei, aber da fühlen sich die Tiere bestimmt nicht wohl!
3. Das Geflügel (wie Hühnchen oder Pute).
Wann ist denn ein Hühnchen glücklich? Wenn es mit seiner Familie durch die Gegend stakst und fröhlich nach Futter pickt, und ja, manch ein Huhn flattert vielleicht ein wenig oder schlummert vergnügt in der Sonne.
Wann ist ein Huhn nicht glücklich?
Fotoquelle: soylent.network.com
(1) Wenn es aus einem Ei schlüpft, von einem Mensch als Männchen aussortiert wird, auf einem Fließband landet und dann in einen riesigen Metall Schredder geschoben wird. Wer dort noch nicht zu Tode geschreddert wurde, stirbt entweder langsam an seinen schweren Verletzungen oder landet in einer Tonne, wo es erstickt oder das Küken wird kurzerhand mit einem Hammer totgeschlagen. Was für ein Tag für die männlichen Küken! Ob es denen dabei wohl gut geht?
(2) Wenn den verbleibenden Hühnern und Puten die Schnäbel abgeschnitten werden, damit sie sich in den vollgequetschten Ställen nicht gegenseitig massakrieren.
(3) Wenn die qualgezüchteten Tiere vor lauter Schmerzen über den Boden robben, weil sie weder Laufen noch Fliegen können.
(4) Wenn das Huhn in einem stinkenden, künstlich beleuchteten Stall vor sich hinsiecht bis irgendwann Männer in weißen Anzügen kommen, alle durch die Gegend scheuchen, in Boxen packen und dann in LKWs verfrachten, um sie zum Schlachter zu fahren.
(5) Hat sich Mel Gibson wohl gefühlt, als er sich in seinem Film im Badezimmer mit dem Fön in der Badewanne einen Elektroschock verpasst hat? Ob sich die Hühner und Puten wohl fühlen, wenn man sie an den Beinen aufhängt, durch einen Elektroschock-Bad zieht, um ihnen dann die Kehle durchzuschneiden? Wie ihre Herzen und Lungen wohl aussehen? Glücklich? Nein.
Die Antworten von mir gab‘s umsonst.
Für die Forschung an der TiHo müssen wir alle 730 000 € aus unseren Steuergeldern hinlegen. Warum ist das ein Problem? Das Problem liegt im System! Wir haben eine Agrarindustrie, die nur durch Tierquälerei und Massentierhaltung funktionieren kann.
Was ist eigentlich Massentierhaltung? Definieren wir den Begriff doch mal kurz: „Definition Massentierhaltung: dabei handelt es sich um eine Form der Tierproduktion, bei der das Tier nicht mehr als Lebewesen wahrgenommen wird, sondern wie eine Maschine behandelt und gehalten wird mit dem einzigen Ziel: der raschen Zunahme an Körpergewicht bei maximaler Kostenreduktion, d.h. Haltung von maximaler Tierzahl auf minimalstem Raum mit kostengünstigsten Futtermitteln.“
Wir haben ein Tierschutzgesetz in Deutschland und wer dieses Gesetz liest, bekommt den Eindruck, dass die Tiere hier in einem Paradies leben müssten. Sie tun es aber nicht und schon gar nicht die Nutztiere. Entweder stimmt etwas mit dem Gesetz nicht oder mit dessen Umsetzung. Wer ist für die Umsetzung bzw. Kontrolle des Tierschutzes zuständig? Die Tierärzte in den Veterinärämtern. Wenn die nicht erkennen können oder wollen, ob es einem Tier gut geht, dann sollten wir vielleicht eine kompetentere Stelle für den Tierschutz beauftragen, z.B. eine Tierschutzpolizei, in der z.B. Biologen arbeiten, die nicht mit der Massentierhaltung und dem Verkauf von Antibiotika indirekt an dem System mitverdienen. Wir sollten das bisherige Tierschutz-System in Deutschland überdenken und überarbeiten, denn das würde millionenfaches Leid ersparen und der Steuerzahler spart sich einen Haufen Geld, in erster Linie schon mal 730 000 €.
Dr. Sarah Fretzer
-Beisitzerin-
LV Niedersachsen
sarah-fretzer (at) tierschutzpartei.de
Auf Initiative der Arbeitsgruppe Hannover des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“ schlossen sich Vertreterinnen und Vertreter der im Tierschutz führenden Verbände, Organisationen und Parteien zusammen, um gemeinsam im Rahmen der Thementage „Mensch und Tier“ über Massentierhaltung und Ernährung (25.03.2017), Natur ohne Jagd (29.04.2017), unsere Meere (20.05.2017) und Tierversuche (10.06.2017) im Kommunalen Kino im Künstlerhaus zu informieren.
An den Abenden wird jeweils ein themenbezogener Film gezeigt. Im Anschluss daran besteht die Möglichkeit, sich bei den beteiligten Verbänden, Organisationen und Parteien weitere Informationen einzuholen. Auf viele Besucherinnen und Besucher und einen regen Austausch freuen sich die Organisatoren, zu welchen natürlich auch die Tierschutzpartei gehört.
Seht euch das Video an, teilt es, geht hin und/oder ladet Freunde dazu ein!
Am Samstag, den 11.02.2017, wurden die Zuschauer*innen in der beliebten Tiersendung „Hund, Katze, Maus“ mit einer Undercover-Recherche von Peta konfrontiert; die Aufnahmen wurden in einen zertifizierten Bio-Ziegenhof gemacht.
Dazu Peta: „Aufgrund von Zeugenmeldungen wurde PETA 2016 auf einen Bio-Ziegenhof in Brilon (NRW) aufmerksam. Bei Undercover-Recherchen fanden Ermittler jedoch nicht nur vernachlässigte und kranke Tiere vor. Eine versteckte Kamera zeigt, wie brutal zwei Arbeiter mit den wehrlosen Ziegen im Melkstand umgehen.“
Dieser hatte – im Gegensatz zum Rat der Landeshauptstadt Hannover – den Mut, am 15. Juni 2016 zu beschließen, dass kommunale Flächen nur noch für Zirkusbetriebe zur Verfügung gestellt werden sollen, die keine Tiere wildlebender Arten wie z.B. Affen, Bären, Elefanten, Tiger oder Löwen mit sich führen.
Leider, leider, leider hat das Verwaltungsgericht Hannover diesen Beschluss „einkassiert“. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, dass „die Frage eines Verbotes wildlebender Tiere in Zirkussen einzig vom Bundesgesetzgeber geregelt werden könne. Dieser habe aber im Rahmen des Tierschutzgesetzes lediglich festgelegt, dass das gewerbliche Zur-Schau-Stellen von Tieren in Zirkussen einer behördlichen Erlaubnis bedürfe. Mit dem kommunalen Wildtierverbot solle somit für kommunale Flächen verboten werden, was bundesrechtlich erlaubt sei.“
So ganz schlüssig ist das ja nun auch wieder nicht, denn immerhin gibt es ja noch sowas wie die kommunale Selbstverwaltung. Und: Was hat die Widmung von stadteigenen Flächen mit einer behördlichen Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz zu tun?
Letztlich bleibt zu hoffen, dass die Stadt Hameln Beschwerde beim OVG einlegt. Die ganz große Hoffnung auf ein bundesgesetzliches Verbot von Wildtieren in Zirkussen wird Dank Herrn Kauder & Kollegen wohl noch lange auf sich warten lassen.