Opferfest vom 11. bis 14. August: Untragbare „Ausnahmen“

Für gewöhnlich bestätigen Ausnahmen ja die Regel, was aber, wenn die „Ausnahme“ in regelmäßigen und absehbaren Intervallen wiederkehrt? Ganz einfach: dann ist die Ausnahme zur Regel mutiert!

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Besetzung des Schlachthofs Düren – Tierschutzpartei NRW veröffentlicht Drohbrief von Anwaltskanzlei

Anfang Mai besetzen im Rahmen des „Liberate-or-die“-Camps am Hambacher Forst rund 30 Aktisvisten den Schlachthof Düren und sorgen dafür, dass der Betrieb zeitweilig eingestellt werden muss.

Ende 2017 erlangte der Schlachthof der Frentzen GmbH durch die Veröffentlichung heimlicher Aufnahmen von skandalösen Zuständen und massiven Verstößen gegen das Tierschutzgesetz unrühmliche Bekanntheit.

Nun droht der Betreiber Journalisten über eine Anwaltskanzlei für Medienrecht mit Konsequenzen bei Berichterstattung über die Besetzung.

Vor über 1,5 Jahren gingen die Bilder schlimmster Tierquälerei von „SOKO Tierschutz“ aus dem Schlachthof Düren durch Deutschland. Schwere Misshandlungen, Fehlbetäubungen und unhaltbare Hygienezustände schienen an der Tagesordnung zu sein, sodass der Betrieb zeitweilig geschlossen wurde.

Anfang August diesen Jahres bestätigt die Staatsanwaltschaft Aachen die massiven Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und gibt bekannt, weiter gegen die noch zu identifizierenden Mitarbeiter aus den heimlich entstandenen Videoaufnahmen, sowie gegen den Betreiber zu ermitteln.

Inzwischen hat der Schlachthof Düren seine Arbeit wieder ganz regulär aufgenommen. 2018 wurden laut Angaben des Veterinäramtes alle Auflagen erfüllt, um den Schlachtbetrieb im vollen Umfang fortzuführen.

Umbaumaßnahmen, verschärfte Kontrollen und Auflagen, sowie eine personelle Umstrukturierung und regelmässige Schulungen sollen das Tierleid während des Schlachtvorganges auf ein „verträgliches Mass“ reduziert haben.

Die dauerhafte Anwesenheit von 2 Amtstierärzten, sowie die verpflichtende Protokollierung des Betäubungsprozesses sollen reibungslose Abläufe garantieren.

Der Schlachthof Düren soll sich laut Betreiber, Veterinäramt und Landrat somit von einem Skandal- zu einem Vorzeigebetrieb entwickelt haben.

Dennoch reagiert der Betreiber des Schlachthofes Düren auf journalistische Anfragen zur Besetzung diesen Jahres mit einem Drohschreiben über eine Anwaltskanzlei.

Die Tierschutzpartei NRW veröffentlicht nun das Anwaltsschreiben, das an mehrere Pressevertreter mit dem Hinweis auf presserechtliche Konsequenzen bei Veröffentlichung versandt wurde.

„Mitte Mai wurde uns das Schreiben zugespielt. Wir haben als Reaktion darauf Anfragen an das Veterinäramt bezüglich der Umsetzung aller Auflagen gestellt, sowie Einsicht in die letzten Kontrollprotokolle beantragt. Auf den ersten Blick scheinen sich die Bedingungen im Schlachthof Düren tatsächlich erheblich verbessert zu haben. So waren laut Protokoll zum Beispiel bei 371 getöteten Schweinen in 3 Stunden „nur“ 12 Nachbetäubungen aufgrund einer fragwürdigen Betäubung nötig.

Allerdings stehen wir der maximalen Zeitspanne von nur 6 Sekunden zwischen Betäubung und Ausblutungsschnitt zur Einschätzung einer fachgerechten Betäubung sehr kritisch gegenüber, da diese Zeit laut Protokoll in der Akkordschlachtung auch gern mal auf 2 bis 3 Sekunden reduziert wird, denn eine maximale Anzahl zu tötender Schweine pro Stunde gibt es in Düren nicht, wohin gegen nicht mehr als 45 Rinder pro Stunde getötet werden dürfen .“ sagt Sandra Lück.

„Bei genauer Betrachtung der Protokolle kommen ausserdem weitere Fragen auf, die das Veterinäramt Düren uns leider auch einen Monat nach erneuter Anfrage nicht beantwortet hat. So gibt es beispielsweise Abweichungen bei den protokollierten Zeitangaben, für die wir um eine Erklärung gebeten haben. Auch hätten wir gern gewusst, warum bei Rindern zwischen Ausblutungsschnitt und weiterer Schlachtarbeiten mindestens 6 Minuten vergehen müssen, um den Tod des Tieres vor der Zerlegung zu garantieren, bei Schweinen jedoch eine solche Auflage der zeitlichen Abläufe fehlt und ob man es nicht als notwendig erachtet, bei Schweinen ebenfalls das komplette Ausbluten und den Tod abzuwarten.“ so die Landesvorsitzende NRW weiter.

Das Schreiben der Anwaltskanzlei für Medienrecht an diverse Pressevertreter, die den Betreiber des Schlachthofs Düren vertritt, ließe jedenfalls die Spekulation zu, dass die Frentzen GmbH weiterhin etwas zu verbergen habe.

„Wenn es sich beim Schlachthof Düren um einen Vorzeigebetrieb handelt, so sehen wir keine Notwendigkeit, eine Berichterstattung über die Besetzung von Mai mit unzulässigen Drohungen und Einschüchterungsversuchen zu verhindern.“ stellt Reiner Lück, Landesgeschäftsführer NRW klar.

Die sich mehrfach wiederholende Litanei über die mutmaßlichen Straftaten der Tierrechtsaktivisten und die Opferrolle des Betreibers während der laufenden Ermittlungen zu den massiven Verstößen seien an Zynismus nicht zu überbieten.

Auch sei man sehr darüber erstaunt, dass die Anwaltskanzlei in ihren Massnahmen zur Gewährleistung eines tierschutzgerechten Ablaufes unangekündigte Kontrollen aufliste.

„Auf Anfrage unserer Landesvorsitzenden gab das Veterinäramt Düren bekannt, dass es keinerlei unangekündigte Kontrollen gäbe, da generell jeder Schlachtgang von 2 Amtstierärzten begleitet und protokolliert würde. Diese unterschiedlichen Aussagen sind für uns alles andere als vertrauenserweckend und glaubwürdig.“

Die Partei Mensch Umwelt Tierschutz, kurz Tierschutzpartei NRW, sehe sich in der Pflicht, den Vorgang nun öffentlich und politisch weiter zu verfolgen.

„Bereits der Verein SOKO Tierschutz, der den Skandal aufgedeckt hat, hat skeptisch auf die angeblich schnelle Beseitigung aller Missstände ohne komplette Einstellung des gesamten Schlachtbetriebes reagiert und angemerkt, dass erhebliche Verbesserungen in Skandalbetrieben wie Düren eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Die zuständigen und protokollierenden Amtstierärzte im Betrieb selbst sind für uns kein Garant. Das Veterinäramt hat zuvor jahrelang weggeschaut. Jetzt möchten wir Antworten haben, warum hier von der Frentzen GmbH mit Kanonen auf Journalisten geschossen wird.“ schliesst Sandra Lück.

Die Tierschutzpartei setzt sich seit Jahren für die verpflichtende Kameraüberwachung in Schlachthöfen ein.

Pressesprecherin: Dr. Elisabeth van Heesch-Orgass
presse-nrw@tierschutzpartei.de

Der Wolf in Deutschland – Fakten statt Panikmache

Die Diskussion um den Wolf in Deutschland wird immer hitziger und verleitet die Politik zu grotesken Schnellschüssen. Dabei wird gezielt oberflächlich argumentiert und mit instinktiven Ängsten der Bevölkerung gespielt. Es scheint daher angebracht, einige nüchterne Fakten zusammenzustellen, um in Sachen Wolf wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzugelangen.

Besonders gravierend ist das Vorhaben der EU und den meisten Mitgliedstaaten, den Schutzstatus des Wolfs herabzusenken. Die dafür notwendige Änderung in der Berner Konvention wurde Ende 2024 durchgesetzt. Damit steigt die Gefahr, dass die exzessive Jagd auf den Wolf demnächst beginnen könnte. Der nächste legislative Schritt ist bereits in Planung: die Änderung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, in der dem Wolf ein besonders hoher Schutzstatus garantiert ist. Diese Richtlinie ist zwar vor Änderungen geschützt, damit der Artenschutz nicht den politischen Machtspielen zum Opfer fallen kann – aber genau dieser Änderungsschutz soll abgeschafft werden. Die Folge wäre, dass dann nicht nur der Schutzstatus des Wolfs ohne größere Hürden herabgesenkt werden kann, sondern auch von vielen weiteren Arten! Und damit nicht genug: wird der Schutzstatus von Tier- und Pflanzenarten geändert, würde dies auch den Status von Naturschutzgebieten gefährden!

Der Schutz des Wolfs ist also von enormer Wichtigkeit, um den Arten- und Naturschutz insgesamt aufrecht zu erhalten – und um das derzeitige massive Artensterben aufzuhalten! Auf dieser Seite findest du weitere Informationen zum Wolfsschutz, insbesondere findest du hier auch die Aktivitäten unseres Europaabgeordneten Sebastian Everding.

Parlamentsreden zum Wolfsschutz von Sebastian Everding MEP

Weitere Beiträge über Wölfe von Sebastian Everding MEP

Wolfspodcast

Der Wolf ist wieder da, und er ist gekommen, um zu bleiben. Die Diskussion um seine Rückkehr ist jedoch politisch und gesellschaftlich mehr als aufgeladen. Dieser Podcast macht sich für den aktiven Wolfsschutz stark. Mit vielen wissenschaftlichen Fakten, spannenden Informationen rund um das Leben der wilden Wölfe, sowie politische und juristische Hintergründe und News. Gespräche mit Expert:innen liefern die unterschiedlichsten Perspektiven zum Thema Wolf. Denn nur, was wir kennen, können wir lieben und nachhaltig schützen. Folgt gern dem Wolfspodcast auf den Spuren unserer Wölfe.

 

Wissenswertes über Wölfe

Natürlicher Verbreitungsraum

Der Wolf ist ein wichtiger Bestandteil der weltweiten Biodiversität. Bis zu seiner systematischen Ausrottung war er in ganz Europa verbreitet. Auch Deutschland war seine Heimat, aber 1904 wurde der letzte Wolf geschossen. Im Jahr 2000 dann die Sensation: der Wolf siedelt sich wieder in Deutschland an. Ein Erfolg für den Tier- und Naturschutz. Seither haben sich die Rudel weiter ausgebreitet und durchstreifen vor allem Reviere in Ostdeutschland. Wölfe tragen aktiv dazu bei, Wildbestände zu vitalisieren und das natürliche Gleichgewicht eines Ökosystems zu erhalten.

Bestandsgrößen

Im Bundesgebiet werden derzeit 209 Wolfsrudel vermutet, überwiegend noch im Osten Deutschlands. Hinzu kommen 46 Wolfspaare und 19 Einzeltiere. Die bis 2024 gesammelten Daten lassen auf 1.339 Wölfe (darunte 634 Welpen) schließen.

Deutschland bietet dem Wolf theoretisch Raum für etwa 440 Rudel mit 2.000 adulten Tieren, so das Bundesamt für Naturschutz. Eine andere Modellrechnung sieht sogar Potential für bis zu 1.200 Rudel. Der günstige Erhaltungszustand, bei dem die Population stabil bleibt und der Lebensraum für den Wolf ausreichend groß ist, konnte bisher nicht verlässlich ermittelt werden. Eine Mindestpopulation von 1.000 erwachsenen Tieren gilt jedoch als unerlässlich, um den Wolf für Deutschland zu erhalten.

Gesetzeslage

Stellt sich die Frage einer Bejagung des Wolfes schon deswegen nicht, weil die Bestandszahlen viel zu gering sind, so ist der Abschuss von Wölfen außerdem durch zahlreiche Gesetze streng verboten. Der Wolf genießt einen Dreifach-Schutz:

1. Internationales Recht: a) Washingtoner Artenschutzabkommen (Anhang II), b) Berner Konvention (Anhang II)
2. Europäisches Recht: a) EG-Verordnung 338/97 (Anhang A), b) Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG (Anhang II, IV)
3. Deutsches Recht: Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), § 44

Die Umsetzung des Rechtes ist Ländersache, wobei der Wolf nur in Sachsen und Niedersachsen dem Jagdrecht unterliegt. Für ihn gilt in Sachsen aber eine ganzjährige Schonzeit. Seit der ersten Wolfssichtung wurden dennoch nachweisliche 106 Wölfe illegal getötet und es wird eine hohe Dunkelziffer angenommen. 887 Wölfe wurden bereits Opfer eines Verkehrsunfalles. Hierdurch wird das Wachstum der deutschen Wolfspopulation zu einem Teil relativiert.

Deutschlands neues „Wolfsmanagement“

Die Bundesregierung vereinfacht nun durch eine Abänderung des Bundesnaturschutzgesetzes das Töten von Wölfen. Als ausreichender Grund für die „Entnahme“ gilt nun „ernster“ wirtschaftlicher Schaden: das zweimalige Überwinden von Zäunen in zwei Wochen.

Dann darf ein Antrag auf das Töten von Wölfen gestellt werden. Dabei muss nicht mehr einwandfrei festgestellt werden, welcher Wolf für einen Riss verantwortlich ist und als auffälliges Individuum bejagt werden sollte. Es können einfach ohne Rücksicht auf den Zustand der Rudel so lange Wölfe geschossen werden, bis die Vorfälle nachlassen. Eine Art Sippenhaft für den deutschen Wolf.

Zwar bedarf jeder Abschuss einer erneuten Bewilligung, aber die stellt nun nicht mehr das jeweilige Umweltministerium der Länder aus, sondern die Landkreise (oder kreisfreien Städte) selbst. Die „Schutzjagd“ wird dann von den Jägern in die Tat umgesetzt.

Wirtschaftliche Schäden

Es gelingt Wölfen vor allem dann, Tiere zu reißen, wenn die Halter sich noch nicht auf die Anwesenheit der intelligenten Beutegreifer eingestellt haben. Sobald ausreichende Herdenschutzmaßnahmen durchgeführt werden, gehen die Schäden merklich zurück. Auffällig ist, dass wiederholt dieselben Herden und Halter betroffen sind, während andere gänzlich unbehelligt bleiben.

In Deutschland wurden Wolfsübergriff im Schnitt 3 bis 4 Tiere getötet, meist handelt es sich dabei um Schafe oder Ziegen. Im Jahr 2023 gab es 5.727 Risse. Der gesamte Bestand an “Nutztieren” in Deutschland liegt bei mehr als 1,5 Mio. Tieren. Von den Wölfen geht also keine existenzgefährdende Bedrohung für die Halter aus.

Die “Nutztier”-Schäden konzentrieren sich vor allem auf Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen. Auch wenn die Schäden in den vergangenen Jahren deutlich zunahmen, ist der Trend nicht unumkehrbar.

Für die entstandenen finanziellen Verluste werden die Halter zu 100 % entschädigt. 20123 beliefen sich diese Ausgleichszahlungen auf 638.000 Euro. Im Vergleich zu anderen Tierarten richtet der Wolf damit nur äußerst geringen Schaden an. Zum Vergleich: der Marder verursacht jedes Jahr Schäden in Höhe von 70 Mio. Euro.

Herdenschutz

Das Töten von Wölfen stellt allenfalls eine vorübergehende Erleichterung dar, da schnell neue Rudel in freigewordene Reviere wechseln. Nur der Herdenschutz ist dazu geeignet, das Risiko eines Wolfsangriffs auf “Nutztiere” dauerhaft auf ein Minimum zu beschränken. Er gehört zur guten fachlichen Praxis der “Nutztier”-Haltung, wird aber oft von den Haltern vernachlässigt.

Zu den wirkungsvollsten Präventionsmaßnahmen zählen verbesserte Zaunsysteme. Beim Elektrozaun stehen die Litzen unter Spannung und sollten schon 20 cm über dem Boden beginnen. Es wird eine Höhe von 120 cm empfohlen sowie ein Untergrabschutz von 30 cm Tiefe. Für größere Herden empfiehlt sich die zusätzliche Anschaffung von Herdenschutzhunden. Wo dem Herdenschutz die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet wird, gibt es deutlich weniger Übergriffe auf “Nutztiere”.

Die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen werden zu 100 % von den Ländern gefördert, so dass den Haltern keine Kosten entstehen. 2023 wurden bundesweit zur Vorbeugung gegen Wolfsangriffe 21.263.000 Euro Verfügung gestellt.

Es sind allerdings weitaus größere Ausgaben notwendig. Allein um alle Schafherden wirkungsvoll vor Wölfen zu schützen, müssen 26.500 Kilometer an Sicherheitszäunen neu gezogen werden, was rund 16,5 Millionen Euro kosten wird. Außerdem würden rein rechnerisch 17.150 Herdenschutzhunde benötigt, deren Anschaffung mit 51,4 Millionen Euro zu Buche schlägt. Solange beim Herdenschutz noch solch eklatante Lücken bestehen, erübrigt sich jede Diskussion über das Töten von Wölfen.

Faltblatt Wolf als PDF

Gefahr für den Menschen

„Jede Nacht hören wir sie heulen“, beklagen sich Deutsche, die in der Nähe von Wolfsrevieren wohnen. Sie bringen damit ihre Urangst vor dem Wolf zum Ausdruck, die ungebrochen scheint. Dies ist verständlich, da wir jahrzehntelang ohne den Wolf gelebt haben. Mitunter durchqueren Einzeltiere und Gruppen abgelegene Höfe oder Ortschaften. Damit ist uns der Wolf wieder sehr nahegekommen.

Hieraus allerdings reflexartig eine akute Gefahr für Menschen abzuleiten, wäre vollkommen verfehlt. Der Wolf ist ein risikoscheues und vorsichtiges Tier. Er erkennt im aufrecht gehenden Menschen einen anderen, gefährlichen Räuber. Der Mensch ist für ihn keine Beute und er bleibt daher auf Abstand.

Seit der Wolf wieder in Deutschland heimisch geworden ist, kam es zu keiner einzigen Attacke auf Menschen. Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird das auch so bleiben: weltweit sind Wolfsangriffe auf Menschen extrem selten. In ganz Europa wurden seit 1950 neun Menschen von Wölfen getötet und das überwiegend dann, wenn das Tier an der wesensverändernden, aggressiv und bissig machenden Tollwut erkrankt war.

Gegner der Wölfe

Wie obige Ausführungen recht eindrücklich belegen, gibt es keinen rationalen Grund, dem Wolf an den Kragen zu wollen. Dennoch hat sich in Deutschland eine Phalanx von Wolfsgegnern formiert, die darauf drängt, schnell so viele Wölfe wie möglich zu töten. Es ist ihnen gelungen, die Politik zu einer Erleichterung des Abschusses von Wölfen zu drängen.

• Deutscher Jagdverband Seine Motive für das Agitieren gegen den Wolf sind recht schnell durchschaubar. Zunächst einmal sind Jäger dankbar für jedes neue Tier, das sie schießen dürfen. Denn das Töten ist ihre Leidenschaft. Die Feindschaft gegenüber dem Wolf geht aber tiefer, denn als natürlicher Jäger macht er dem Jagdverband in seinem ureigenen Fachgebiet Konkurrenz. Wenn Wolfsrudel den Wildbestand in deutschen Wäldern erfolgreich regulieren, dann hat der Jäger weniger zu schießen. Der Wert seiner Pacht sinkt. Womöglich braucht es dann einmal vielerorts gar keine Jäger mehr. Also will der Verband den Wolf so schnell wie möglich wieder loswerden.

• Deutscher Bauernverband Eine Festlegung wolfsfreier Gebiete soll die Weidetierhaltung vor dem Wolf schützen. Diese Vorstellung entspricht dem von unserer industriellen Landwirtschaft propagierten Monotonie-Konzept: entweder, oder – ein Miteinander ist unerwünscht. Realistisch ist der Vorschlag allerdings nicht, denn in freiwerdende Reviere rücken laufend neue Wölfe nach. Ergebnis wäre das ununterbrochene Abschlachten von Einzeltieren und ganzen Rudeln, die unbewusst in die „Todeszone“ vordringen.

• Schaf- und Ziegenzuchtverbände Aufgrund ihrer großen wirtschaftlichen Probleme setzt die Weidetierhaltung auf die Forderung möglichst hoher Finanzierungen und Kompensationen. Das nun überall einsetzende „Wolfsmanagement“ bietet einen aussichtsreichen Ansatzpunkt, um Gelder zugesprochen zu bekommen. Dabei gilt für viele Halter die Logik: je mehr Risse, desto größer die Gefahr, die dann mit viel Mitteln aus dem Landeshaushalt bekämpft werden muss. Möglicherweise ist das der Grund, warum über den Grundschutz hinaus viele Halter bisher keine weiteren Maßnahmen getroffen haben.

Alle diese Gruppen argumentieren verklausuliert mit der Schaffung von mehr „Rechtssicherheit“, einer einheitlichen, „konsequenten Regulierung“ und dem Ruf nach „aktivem Wolfsmanagement“. Faktisch läuft es aber immer auf das Gleiche hinaus: den Abschuss der Wölfe. Anstatt die Grundlage für eine Koexistenz von Wolf und Mensch in Deutschland zu schaffen und einen gesunden Bestand heranwachsen zu lassen, wird die Ausbreitung des Wolfes von vornherein zum Problem erklärt und ihm der Krieg erklärt. Das eigentliche Problem aber ist der Mensch, die bisher mangelhaften Schutzmaßnahmen und unsere fehlende Bereitschaft zur Akzeptanz.

Interview von Sebastian Everding MEP mit dem Wolfsexperten Jos de Bruin

Links:

Natürlicher Verbreitungsraum

https://chwolf.org/woelfe-kennenlernen/oekosystem/wolf-als-teil-des-oekosystems
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/18886.html

Bestandsgrößen

https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/1593151/neue-zahlen-wie-viele-woelfe-leben-in-deutschland
https://www.tagesschau.de/inland/wolf-kabinett-101.html
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/wolf-ein-entwurf-des-umweltministeriums-will-abschuss-vereinfachen-a-1268408.html
https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/woelfe-in-deutschland-wie-viele-rudel-vertraegt-das-land-a-1209993.html
https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wolf-streit-ueber-umgang-bei-anhoerung-im-bundestag-a-1203617.html

Gesetzeslage

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/19297.html
https://www.forum-natur.de/media/afn_handlungsvorschlag_wolf_hoch_16_01_19.pdf

Deutschlands neues „Wolfsmanagement“

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/neue-regeln-fuer-den-wolf-1613622
https://www.agrarheute.com/wochenblatt/politik/wolf-entnahme-ernsten-landwirtschaftlichen-schaeden-554130

Wirtschaftliche Schäden

https://www.dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herdenschutz/schadensstatistik
https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/mehr-wolfsrisse-100.html
https://www.weser-kurier.de/region/niedersachsen_artikel,-schaeden-durch-woelfe-werden-mit-euhilfen-ersetzt-_arid,1799883.html
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/tiere/id_81943224/wolf-verursacht-vergleichsweise-wenig-schaden.html
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/tiere/id_84285662/dramatisches-wolfsjahr-von-woelfen-verursachte-schaeden-steigen-rasant.html
https://www.quarks.de/umwelt/tierwelt/schafe-welchen-schaden-verursacht-der-wolf/
https://www.l-iz.de/politik/sachsen/2018/12/Eine-wohl-ziemlich-sinnlose-Wolfsverordnung-251491

https://www-genesis.destatis.de/genesis/online/data;sid=BE1184E071A5CC26F509C47870DA6C50.GO_1_4?operation=abruftabelleBearbeiten&levelindex=2&levelid=1558840825784&auswahloperation=abruftabelleAuspraegungAuswaehlen&auswahlverzeichnis=ordnungsstruktur&auswahlziel=werteabruf&selectionname=41331-0001&auswahltext=&werteabruf=Werteabruf

https://www.autogazette.de/marder/schaeden/tipps/marder-sorgen-jahr-fuer-jahr-fuer-millionenschaeden-989393657.html

Herdenschutz

https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2018/11/herdenschutzhunde-zu-teuer-fuer-lausitzer-schaefer-.html
https://www.dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/herdenschutz
https://chwolf.org/woelfe-in-der-schweiz/herdenschutz
https://wolf.nrw/wolf/de/management/herdenschutz
http://www.lausitz-wolf.de/index.php?id=1200
http://www.umwelt.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/woelfe-niedersachsen-hebt-foerdersatz-fuer-praeventionsmanahmen-an-173925.html
https://www.agrarheute.com/tier/weidezaun-gegen-wolf-sollten-weidetierhalter-beachten-530427

Gefahr für Menschen

https://www.focus.de/wissen/experten/woelfe-in-deutschland-wie-gefaehrlich-der-wolf-fuer-menschen-wirklich-ist_id_10012256.html
https://www.focus.de/wissen/natur/mensch-und-wolf-warum-es-zu-angriffen-kommt_id_9989427.html
https://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/rasant-vermehrt-und-ausgebreitet-jede-nacht-hoeren-wir-sie-heulen-betroffene-fordern-besseres-wolfsmanagement_id_10674747.html
https://www.wolf-center.eu/de/informationen/w%C3%B6lfe-Angriffe-fakten-oder-fikt

Gegner der Wölfe

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/nach-kabinettsbeschluss-zum-wolf-neuer-streit-um-den-abschuss-der-tiere-a-1268753.html
https://www.bauernverband.de/einschreiten-kanzleramt-wolf
https://www.forum-natur.de/media/afn_handlungsvorschlag_wolf_hoch_16_01_19.pdf

Der Wald stirbt weltweit und mit ihm die Tiere

Nach der am 13.08.2019 veröffentlichten WWF-Studie „Below The Canopy“ sind die Tierbestände in Wäldern weltweit seit 1970 um mehr als die Hälfte gesunken. Konkret wurden Daten von 268 Wirbeltierarten und 455 Populationen untersucht. Besonders betroffen sind Amphibien und Reptilien, aber auch die Anzahl der Säugetiere und Vögel hat stark abgenommen. Dies bedeutet, dass in den Wäldern dieser Erde immer weniger Tiere einen Lebensraum finden, im Amazonasgebiet, in afrikanischen Urwäldern, aber auch in Mitteleuropa sieht es genauso schlecht aus.

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Tierschutzpartei beim “Tag der Tiere” in Hannover

Samstag, den 17.08.2019 werden wir mit einem Informationsstand beim Tag für Tiere in Hannover vertreten sein. An unserem Stand werden wir u.a. über unsere Montagsmahnwachen vor dem Landwirtschaftsministerium und die 2021 anstehenden Kommunalwahlen informieren.

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Aktivitäten der Greifswalder Bürgerschaftsfraktion

In der ersten Bürgerschaftssitzung nach den Kommunalwahlen unterstützten die Vertreter der Tierschutzpartei die Resolution und das Maßnahmepaket zum Klimanotstand in Greifswald. In der Sommerpause blieben sie aber nicht untätig, sondern starteten drei Kleine Anfragen zu 1. Wildtierzirkussen, 2. der Wasserqualität und 3. ökologischer Landwirtschaft, die in drei Anträgen münden und nach der Sommerpause zur Abstimmung  in den kommunalen Gremien stehen sollen. Continue reading “Aktivitäten der Greifswalder Bürgerschaftsfraktion”

Mahnwache gegen Tiertransporte vor Landwirtschaftsministerium in Hannover

Versprochen ist Versprochen!

Heute standen wir zusammen mit Gleichgesinnten vor dem Nds. Landwirtschaftsministerium in Hannover und gedachten der Tiere, die unsägliche Qualen im System der Tierausbeutung erleiden müssen. Im Gegensatz zur letzen Mahnwache war heute reger Betrieb in der Behörde.

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Polizei Niedersachsen vom Innenministerium zur Überprüfung von Tiertransporten angewiesen

Ende Juli 2019 habe ich bei über 30 Grad Außentemperatur einen 4-stöckigen Viehtransporter mit einem ebenso großen Anhänger auf einer Bundesstraße und später auch innerorts gesehen. Er hatte Schweine geladen. Ich rief bei der für den Ort zuständigen Polizeidienststelle an und bat – gerade auch unter Hinweis auf die Temperaturen – um Überprüfung.

Die Polizei sagte eine Überprüfung zu. Vorsichtshalber bin ich zur Polizeidienststelle gefahren und wollte dort Anzeige erstatten. Der Polizist sagte mir, dass erst mal geprüft werden müsste, ob überhaupt ein Vergehen vorliege und ich als Zeugin geführt werden. Geplant sei zunächst, die Fahrzeugpapiere zu überprüfen. Anschließend wollte er mit dem Veterinäramt Rücksprache halten, was zu tun sei. Hat er dann auch gemacht.

In einem späteren Telefonat erklärte mir der Polizist, dass der Transporter nicht mehr ausfindig gemacht werden konnte. Allerdings wisse er jetzt, welche Temperaturgrenzen zu beachten sind.

Diesen Vorfall nahm ich zum Anlass, mich an die zuständige Polizeidirektion zu wenden. Dort regte ich an, die Mitarbeiter/innen in den Polizeidienststellen/ Polizeirevieren in Niedersachsen (gern auch bundesweit) hinsichtlich der Kontrolle von Tiertransporten zu schulen bzw. ein Merkblatt zu den durchzuführenden Kontrollen auszuhändigen.

Ich erhielt folgende Antwort:

„… Zwischenzeitlich wurden die niedersächsischen Polizeibehörden am 31.07.2019 per Erlass des Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport (MI) zum Thema „Kontrolle von Tiertransporten – Anwendung des Handbuchs Tiertransporte/Erlass des ML vom 18.03.2019″ informiert. Das von Ihnen verlinkte Handbuch Tiertransporte der Arbeitsgruppe Tierschutz der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz wurde in seiner aktualisierten Fassung (Stand: Dezember 2018) durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) dem nachgeordneten Bereichen am 18.03.2019 mit zusätzlichen Informationen zur Anwendung gegeben und den Polizeibehörden am 31.07.2019 durch das MI zur Kenntnis gegeben. …“

Die Anweisung des Innenministeriums kam sicherlich nicht von ungefähr. Die intensive Berichterstattung über die auf Transporten verendeten Tiere und ggf. auch die Hinweise aufmerksamer Bürger/innen hat der Kontrolle von Tiertransporten zu einem anderen Stellenwert verholfen. Und das ist gut so, auch wenn die Polizei nunmehr gehalten, die Versäumnisse der Politik aufzuarbeiten.

Deshalb: Bringt Euch ein und zeigt angemessen und friedlich Missstände auf.

Simone Oppermann

 

Mahnwache gegen Tiertransporte/ Die Zweite

Montag, 12. August 2019 von 12:00 bis 14:00 Uhr
vor dem Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Calenberger Straße 2 in Hannover

Wir wollen der Tiere gedenken, die schweigend die Qualen auf Transporten erleiden müssen. In ihrem Namen fordern wir friedlich den Stopp von Tiertransporten in andere Länder (Mitgliedsländer der EU sowie Drittstaaten).

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