Gärten sind in Städten die wichtigste Nahrungsquelle

In einer aktuellen britischen Studie im „Journal of Ecology“ belegt der Wissenschaftler Nicholas Tew und sein Team der University of Bristol, dass private Gärten im urbanen Raum die wichtigste Futterquelle für Insekten darstellen. In der Studie vergleicht er dabei unter anderem Schrebergärten und landwirtschaftliche Nutzflächen mit Naturschutzgebiete und eben auch dem heimischen (Zier-)Garten. Dabei betont er ausdrücklich die überlebenswichtige Funktion von Privatgärten als Oase für Bestäuber. Leider stellen immer noch zahlreiche Gärten in NRW genau das Gegenteil dar.

Die britische Studie belegt dabei, dass die Privatgärten in den untersuchten urbanen Räumen durchschnittlich 85 Prozent des verfügbaren Nektars liefern würden. Heruntergerechnet liefern drei Gärten pro Tag etwa einen Teelöffel Nektar. Was sich auf den ersten Blick sehr wenig anhört, entspricht aber laut den Biologen umgerechnet einer Tonne pro erwachsenem Menschen. Dieses Nahrungsangebot reiche für mehrere tausend Bienen, Hummeln und andere Bestäuber. Die Berechnung der Wissenschaftler basiert dabei auf der Nektarmenge, welche im Rahmen der Studie aus 3000 Blüten von 200 Arten gewonnen wurde. Die Bedeutung von privaten Gärten für die Artenvielfalt und den Erhalt der Insekten ist in Städten schon aus dem Grund so hoch, dass etwa ein Drittel der untersuchten städtischen Grünflächen darauf entfallen, was einem deutlich höheren Anteil als dem der Schrebergärten oder gar städtischen Parks entspricht.

Das britische Forschungsteam mahnen dabei sowohl bei Stadtplaner:innen, als auch bei Gartenbesitzer:innen an, sich dieser Bedeutung bewusst zu werden, was sich als Konsequenz sowohl in einem vollständigen Verzicht auf Pestizide, als auch in einer vielfältigen Bepflanzung von Frühjahr bis zum Herbst ausdrücken muss. Denn nur dadurch sei gewährleistet, dass die Insekten ausreichend Nahrung finden und dass so private Gärten nicht nur eine Oase, sondern sogar eine Arche in einer betonierten und versiegelten Umgebung werden können.

Politik gegen Schottergärten

Für die Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei) in Dortmund stellt dabei vor allem die Aufklärung der Bürger:innen über die Abkehr der vor allem in Neubaugebiete beliebten Schottergärten einen besonders wichtigen Aspekt dar: „Naturnahe Gärten bilden in der Stadt wichtige Refugien für eine Vielzahl von Wildtieren. Dies sind neben Singvögeln auch Insekten wie Schmetterlinge, Bienen und Hummeln“ so Sebastian Everding, sachkundiger Bürger für die Tierschutzpartei in der Fraktion Die Linke+, der sich in seiner Freizeit stark für den Schutz von Wildbienen einsetzt. „Schotter und Steine können dabei weder Unterschlupf noch Nahrungsgrundlage oder eine Kinderstube für den Nachwuchs bieten, einzig Kellerasseln und Spinnen fühlen sich dort noch wohl“ und appelliert an Hausbesitzer:innen, freiwillig etwas in ihren Gärten zu ändern, denn sonst würde man ein Grundstück besitzen, welches ökologisch so tot ist, wie ein Stück Autobahn.

Gerade Bienen spielen eine entscheidende Rolle in unseren Ökosystemen, denn 80 % der heimischen Kultur- und Wildpflanzen sind abhängig von Bestäubung durch Bienen. Michael Badura, Ratsmitglied der Tierschutzpartei in Dortmund, weist zudem auf die besondere Gefährdungssituation von Wildbienen hin: „Während Honigbienen eine recht große Lobby haben, stehen rund 300 von 560 heimischen Wildbienenarten auf der Roten Liste. Wildbienen sind meist alleinlebend und haben sehr spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum; also an Nistplatz und Nahrungspflanzen“.

Viele NRW-Kommunen vor dem finanziellen Kollaps

Über 60 Mrd. Euro Schulden!

Alle Kommunen in NRW zusammen haben laut einem Bericht des WDR einen Schuldenstand von 60,1 Mrd. Euro angehäuft. Das ist unheimlich viel Geld und für einige Kommunen einfach zu viel. Sie können ihren gesetzlichen Verpflichtungen kaum mehr nachkommen. Dazu gehören zum Beispiel soziale Leistungen wie Teile des Bürgergeldes/der Grundsicherung oder der Bau und die Unterhaltung + Ausstattung von Grund- oder weiterführenden Schulen oder auch der Bau und Betrieb von Einrichtungen, wie Schwimmbädern, Theater oder Straßen.

Was sind die Gründe für diese hohen Schulden?

Wir leben in einem föderalen Staat. Dies bedeutet, dass in Deutschland nicht alles von Berlin aus bestimmt wird. Vielmehr gibt es Länderregierungen und eben auch die kommunale Selbstverwaltung. Auf dem Papier heißt das, dass der Stadt- und Gemeinderat über die Belange der Kommune zu entscheiden hat. Und das wäre dann auch gleich das erste Problem. Bund und Länder haben in den vergangenen Jahrzehnten den Kommunen per Gesetz immer mehr Aufgaben übertragen. Und die Finanzierung haben sie dann auch gleich den Kommunen überlassen. Die kommunale Selbstverwaltung ist inzwischen oftmals nur noch ein Scheinriese; Bund und Länder reichen lästige Aufgaben nach unten.

Natürlich gibt es auch selbstgemachte Gründe, die für hohe Schulden sorgen. Alle Städte und Gemeinden befinden sich in einer Art Konkurrenzkampf untereinander. Es geht um Einwohner und Gewerbebetriebe. Je mehr Einwohner und Gewerbetriebe, desto mehr Einkommens- und Gewerbesteuer. Also wird tüchtig investiert. Und das nicht immer sinnvoll oder erfolgreich.

Die Schuldenlast der Kommunen ist sehr unterschiedlich verteilt. Man kann sich denken, dass die Schuldenstände vieler Ruhrgebietsstädte sehr hoch sind. Spitzenreiter ist aber die Stadt Siegburg, mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 11.577 €. Fakt aber ist, dass die meisten Kommunen in NRW mit den Zinsbelastungen ihrer Schulden kaum mehr klarkommen und kein finanzieller Spielraum mehr bleibt, um den Aufgaben zur Daseinsvorsorge nachzukommen.

Was muss getan werden?

  1. Die Kommunen in NRW benötigen einen Alt-Schulden-Schnitt! Die finanziellen Belastungen sind zu hoch und führen zu unterschiedlichen Lebensbedingungen und letztlich auch zu schlechteren Chancen vieler Kinder, wenn ihre Schulen nicht vernünftig ausgestattet werden können, wenn sie wegen fehlender Schwimmbäder nicht Schwimmen lernen können.
  2. Endlich eine faire Reform der Steuerverteilung! Die Steuereinnahmen müssen gleichmäßiger an alle Kommunen verteilt werden und die Bevorzugung von Bund und Ländern muss ein Ende haben.
  3. Keine Aufgabenverteilung mehr von Oben nach Unten, sondern eine tatsächliche Gleichberechtigung von Bund, Ländern und Kommunen.

(ms)

Mehr Urban Farming in NRW!

Was ist Urban Farming?

Von urbaner Landwirtschaft (engl. urban farming) spricht man, wenn freie Flächen innerhalb von Städten zum Anbau von Nutzpflanzen verwendet werden. Dies beinhaltet Gemüse-, Obst-, Blumen- oder Kräutergärten, deren Produkte überwiegend innerhalb der Stadt verwendet werden. Der Trend zur urbanen Landwirtschaft entwickelt sich durch das zunehmende Bewusstsein für gesunde Ernährung, die Umwelt und Nachhaltigkeit weltweit immer stärker. Zu unterscheiden ist das sogenannte Urban Gardening, welches meist nur kleine Flächen für den Eigengebrauch verwendet. Große Vorteile des kommunalen Anbaus von Lebensmittel ist der fast vollständige Wegfall von klimaschädlichen Transportwegen, sowie die Einsparung von Wasser. Auch zeigen erste Erfahrungen, dass die Verbundenheit von Käufern zu regional produzierten Lebensmittel höher ist.

Während in es erste Urban Farming Projekte bereits in Berlin, Nürnberg und Leipzig gibt, finden sich aktuell noch keine nordrhein-westfälischen Großstädte, die sich hier positionieren wollen. Hier sieht der Landesverband NRW der Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei) eine Zukunftschance für die Metropolen an Rhein und Ruhr. „Die NRW-Städte könnte hier Vorreiter für viele andere Städte auch weit über die Landesgrenzen hinaus werden“, so die Landesvorsitzende Angelika Remiszewski.

Vorbilder Paris & Berlin

Auf dem Messedach der Pariser Expo Porte de Versailles werden seit 2019 auf 14.000 Quadratmetern Obst und Gemüse gepflanzt. Damit ist das Pariser Dach das größte, das weltweit für Urban Farming verwendet wird. Die Initiatoren bauen hier bis zu 30 verschiedene Pflanzenarten an und rechnen in der Hochsaison mit einer Ernte von 1.000 Kilogramm an Obst und Gemüse pro Tag. Auf dem Dach des seit dem Frühjahr 2020 der Öffentlichkeit geöffneten Projektes werden keine Pestizide oder andere Chemikalien verwendet und die Regeln der biologischen Landwirtschaft strikt eingehalten.

Der starke gemeinschaftliche Charakter des „Urban Farming“ wird auch im Berliner Prinzessinnengarten deutlich: Auf einer Fläche von knapp 6000 Quadratmetern wurde im Stadtteil Kreuzberg-Friedrichshain eine stillgelegte Brachfläche rekultiviert und dient seit 2009 als öffentlicher Garten. Hier werden die Pflanzen in Kisten angebaut, da sie so leichter transportiert werden können. Beim Prinzessinnengarten kann jede:r mitmachen. Es gibt keine privaten Beete und jede/r begeisterte Mitgärtner:in ist willkommen zu unterstützen. Angebaut werden die unterschiedlichsten Gemüsesorten, davon viele alte und seltene Sorten. 2020 haben sich die Prinzessinnengärten in zwei eigenständige Orte aufgeteilt, die unabhängig voneinander organisiert werden.